Anni und Josef Albers

Anni Albers · Ausstellungsansicht © ProLitteris

Anni Albers · Ausstellungsansicht © ProLitteris

Hinweis

Anni und Josef Albers

Paris — Die ersten Säle dieser 350 Werke starken Retrospektive erwecken zunächst einen ungleichen Eindruck. Sie lassen Josef als Motor und Macher erscheinen. Dabei kommunizieren die Arbeiten des Paars schon früh, ohne zu konkurrieren, ergänzen sich die gemalten Farb-Form-Forschungen und die gewebten «Wallhangings». Die chronologische Hängung ermöglicht keinen direkten Vergleich. Kustodin Julia Garimorth: «Annis textile Arbeiten vertragen weniger Licht als die Werke von Josef. Deshalb können wir sie oft nicht nebeneinander zeigen.» Dank vieler Archivmaterialien wird dennoch ein sich gegenseitig verstärkendes Schaffen konturiert. Im Zentrum: Zugewandtheit, wie sie der Blick dokumentiert, als Josef die zehn Jahre jüngere schlafende Anni Mitte der Zwanzigerjahre fotografierte. Sinnbildlich auch ihre Zeichnungen neben Josefs Radierungen, als beide die Knoten-Theorie beschäftigte. In den Vierzigern diskutierten sie diese mit dem Mathematiker Max Wilhelm Dehn im Blackmountain College. Unbewusste Prozesse durch Materialbewusstsein zu erlauben, leitete Albers/Albers’ Lehrtätigkeit. Wissen als Form, Form als Gestaltung und Gestalt als Welterkenntnis – dieser Dreischritt durchläuft ihr gesamtes Werk. Vom Zivilisationsbruch des Zweiten Weltkriegs war es erstaunlich wenig angetastet. Auch das vermittelt diese Schau: Form und Gestalt als Kondition eines modernen Menschen, der, wie es Anni formulierte, «allein ist und verantwortlich für seine Taten». 

Until 
09.01.2022

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