Chris Bünter & Tashi Brauen — Zusammenarbeit in drei Akten

Chris Bünter & Tashi Brauen · The Clock, 2021, Monotypie und Collage, 30,5 x 50,7 cm, aus: cadavre DU, 1. Akt, Kunstraum Dreiviertel

Chris Bünter & Tashi Brauen · The Clock, 2021, Monotypie und Collage, 30,5 x 50,7 cm, aus: cadavre DU, 1. Akt, Kunstraum Dreiviertel

Chris Bünter & Tashi Brauen · o.T. 2 (verso), 2021, Monotypie und Collage, 33 x 44,9 cm, aus: cadavre DU, 1. Akt, Kunstraum Dreiviertel

Chris Bünter & Tashi Brauen · o.T. 2 (verso), 2021, Monotypie und Collage, 33 x 44,9 cm, aus: cadavre DU, 1. Akt, Kunstraum Dreiviertel

Besprechung

Infolge des Lockdowns entstand eine überraschende Zusammenarbeit von Chris Bünter und Tashi Brauen. In ihrer Adap­tion des Cadavre-Exquis-Verfahrens dienten DU-Magazine als Grundlage für das kollaborative Pingpong, das zu äusserst vielfältigen Kombinationen aus Collage und Monotypien führte.

Chris Bünter & Tashi Brauen — Zusammenarbeit in drei Akten

Zürich — Wo in Basel der Fluss Wiese, Wohnblöcke und Schienenstränge von Hafen­anlagen trennt, steht im Niemandsland ein unscheinbares Häuschen. Es ist an diesen dunklen Oktobertagen nicht zu übersehen, leuchtet es doch von innen heraus gleich einer Laterne. Die komplexen Collagen aus bedruckten Blättern an den Scheiben wirken als Bildträger und schirmen den Ausstellungsraum des Artachment Art Space, welchen das ehemalige Zollhäuschen beherbergt, zugleich ab.
‹cadavre DU, 2. Akt› von Chris Bünter (*1961) und Tashi Brauen (*1980) ist der zweite Teil der Ausstellungsreihe, die aus ihrer Zusammenarbeit hervorgegangen ist. Diese wurzelt im Lockdown, als Brauen in seinem Zürcher Atelier auf das vorgefundene Material zurückgeworfen war: alte DU-Ausgaben, mit denen er experimentierte und einfache «Klatschbilder» gestaltete. Die aufgefalteten Blätter erinnerten entfernt an Rorschachtest-Bilder und animierten den besuchenden Bünter, Arbeiten mitzunehmen und daran weiterzuarbeiten. Bünter nutzte dabei nur Grundformen, die er ausschnitt und umgekehrt einklebte – im reich bebilderten Magazin eine geschickte Strategie. Sie sprechen von einer Interpretation des Cadavre-Exquis-Verfahrens, einer Technik des Surrealismus, wo durch Kollaboration gemeinsame Werke entstanden – am bekanntesten ist das gefaltete Blatt, auf dem der jeweils verborgene Teil einer Zeichnung blind ergänzt wird. So verbinden sich mit Brauen, der eher experimentell-kreativ vorgeht, und Bünter, der von diskursiven Ansätzen ausgeht, zugleich zwei ganz unterschiedliche Praxen.
Die Präsentation der komplexen Blätter wird immer auch in ihrer räumlichen Anordnung durchdacht: Im 2. Akt in Basel dienen die Fenster als Membran zwischen innen und aussen, wobei die «Rückseite» innen sichtbar wird. Die ursprünglichen Doppelbogen sind dabei weitgehend aufgetrennt, was im 1. Akt im Kunstraum Dreiviertel in Bern noch anders war. Im Ladenlokal mit grosser Scheibe gegen die Strasse wurden die Doppelblätter als Fries gehängt, mit der «Rückseite» nach aussen. Zur Reflexion über Präsentationsformen gehört auch, dass pro Ort 20 signierte Editionen der Serie publiziert werden, am Ende 60, wobei 15 davon eine Originalarbeit beiliegt.
Der 3. Akt wird im November im Last Tango in Zürich in der Gruppenschau ‹Put-to-bed› mit Michael Günzburger, Kong Chun Hei, Clare Kenny, Valentina Pini und Sabine Schlatter zu sehen sein. Diese wird sich um die Erweiterung des drucktechnischen Experiments von Collagen, Zeichnung und Skulptur drehen. 

Until 
08.12.2021

→ ‹Put-to-bed›, Gruppenausstellung, Last Tango, 5.11.–18.12. ↗ www.lasttango.info

Institutionen Country City
Last Tango Switzerland Zürich
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Put-to-bed 05.11.2021 to 18.12.2021 Exhibition Zürich
Schweiz
CH

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