Denise Bertschi

Denise Bertschi · Confidential, 2018, Video­installation, Ausstellungsansicht CCSP, 2021

Denise Bertschi · Confidential, 2018, Video­installation, Ausstellungsansicht CCSP, 2021

Denise Bertschi · We say we are fine. They say we are not, 2018, Wandtapete, CCSP, 2021

Denise Bertschi · We say we are fine. They say we are not, 2018, Wandtapete, CCSP, 2021

Hinweis

Denise Bertschi

Paris — Claire Hoffmann und ihr Team arbeiten schon eine Weile an Subjektkonstruktionen. Jetzt folgen sie dem Trend zu postkolonialer Kritik. Allerdings will ‹Oasis of Peace. Neutral only on the outside› nicht zu kulturindustrieller Re-Kolonisierung beitragen, die Kapital aus der «matter» der «black lives» zieht. Vielmehr wendet Denise Bertschi den Blick des dominanten kolonialen Subjekts auf sich selbst. Bleibt es für den Dialog offen, dekonstruiert ein solches Vorgehen zunächst die eigene Position, sensibilisiert für die Matrix des kolonialen Komplexes. Viele Kolonisatorinnen und Kolonisatoren sind mit guten Absichten, nicht als teuflische Mörderbande nach Afrika, Asien oder Südamerika gereist. Bertschi befragt selbstkritisch deren zivilisatorische Mission: Welche Zerstörungen hinterlässt der sanfte Blick, die wohlwollende Geste suprematistischer Soft-Power? Ihre jüngste Studie, ‹State fiction› stellt in Bezug auf die Schweizer Delegation in der Überwachungskommission der neutralen Nationen in Korea (CSNN) die durchaus empfindliche Frage: Wer gewinnt vom nationalheiligen Label Schweizer Neutralität? Von 1953 bis 1980 entsandte die Schweiz Soldaten, um die Grenze des geteilten Landes zu überwachen. Fotografien, Notizen und Dokumente, von der Doktorandin ausgewertet, lassen erkennen, wie strukturell koloniale Asymmetrie, exotische Fremdheit, zivilisatorische Überlegenheit wirken. Als gut ausgebildete, weit gereiste Künstlerin legt Bertschi ihre Position selbst­bezüglich dar, will bearbeiten, was ihren eigenen dominanten Blick formt, wenn sie Fotos exotischer Pflanzen auf grosse Banner druckt. Darüber legt sie Parolen aus dem eidgenössischen Soldatenlager in Korea. So hängen sie im Ausstellungsraum, verlangen nach Erklärung. Ein Film und ein umfangreiches Buch regen zum Weiterfragen an. Wie oft bei forschungsbasierter Kunst stellt sich ästhetische Erfahrung freilich erst bei Lektüren ein, bleibt selbst dann bisweilen illustrativ. Gleichwohl macht die 38-jährige Aarauerin die Gewalt spür- und mithin behandelbar, die von scheinbar harmlosen Bildern, Werbungen, Gesten ausgeht. Speziell mit ‹Please Ensure the Gate is Properly Closed›, einer Arbeit von 2018 zur Schweizer Unterstützung des südafrikanischen Botha-Regimes, spürt Denise Bertschi einprägsam auf, wie der zivilisatorischer Machtdiskurs sich tief im Imaginären und Symbolischen verankert, das Reale nachhaltig verformt. 

Until 
14.11.2021
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Denise Bertschi 12.09.2021 to 14.11.2021 Exhibition Paris
Frankreich
FR

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