Fractured Spine — Kunst als Widerstand

Zehra Doğan · Özgür Gündem – Zindan N°2, 2016, Gefängnis Mardin, Kollektivarbeit zur Anprangerung der Schliessung der Zeitung Özgür Gündem im August 2016. Handgeschriebene Zeitung, Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift, Farbe auf Packpapier, 55 x 39 cm. Foto: Jef Rabillon

Zehra Doğan · Özgür Gündem – Zindan N°2, 2016, Gefängnis Mardin, Kollektivarbeit zur Anprangerung der Schliessung der Zeitung Özgür Gündem im August 2016. Handgeschriebene Zeitung, Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift, Farbe auf Packpapier, 55 x 39 cm. Foto: Jef Rabillon

Besprechung

Wer nicht davon betroffen ist, kann sich kaum vorstellen, was staatliche Repression für das Leben bedeutet. Die Ausstellung ‹Fractured Spine› thematisiert den Kampf um freie Meinungs­äusserung, um Menschenrechte und deren Verletzung – und zeigt, wie Kunst zur Widerstandsform gegen Unterdrückung wird.

Fractured Spine — Kunst als Widerstand

Zürich — «Selbst wenn wir gefangen sind, haben wir beide Hände an deinem Kragen.»  So lautet die Schlagzeile auf der Frontseite der handgeschriebenen Zeitung, welche die kurdische Künstlerin und Journalistin Zehra Doğan zusammen mit Mitinsassinnen während ihrer Haft im Frauengefängnis in Mardin, Türkei, angefertigt hat. ‹Özgür Gündem – Zindan N°2› ist ein Akt des künstlerischen Protests und der Solidarität. Es ist eine Reaktion auf die von der türkischen Regierung angeordnete Schliessung der prokurdischen Zeitung Özgür Gündem im August 2016 und die anschliessende Inhaftierung vieler Journalistinnen und Redaktionsmitglieder. Die Schlagzeile adressiert den staatlichen Machtapparat, die Artikel der Gefängnisausgabe handeln von den Insassinnen, dem Druck, dem sie ausgesetzt sind, und den Rechtsverletzungen im Gefängnis. Im Geheimen angefertigt und rausgeschmuggelt, erzählt die Zeitung eine übergeordnete Geschichte kollektiver Kreativität und Entschlossenheit als Antwort auf Unterdrückung.
Neben Zehra Doğan zeigt die Ausstellung ‹Fractured Spine› Werke von über einem Dutzend Künstlerinnen und Künstlern aus der Türkei sowie von Schweizer und internationalen Kunstschaffenden, darunter auch Hito Steyerl und !Mediengruppe Bitnik. Alle erzählen aus einer betroffenen oder solidarischen Perspektive von Formen des Widerstands gegen staatliche Zensur und Unterdrückung und schaffen Sichtbarkeit für Anliegen, die mit politischer Gewalt bekämpft werden. Der Fotograf Hüsamettin Bahçe etwa porträtiert in der Serie ‹Peace Mothers› Frauen der gleichnamigen Friedensinitiative, die 1999 von 15 kurdischen, türkischen und georgischen Müttern gegründet wurde. Mit gewaltfreien Mitteln fordern sie Frieden zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen, wofür sie wiederholt angeklagt und verurteilt wurden.
Organisiert wird die Ausstellung vom Verein MigrArt, einer Initiative von geflüchteten Kunstschaffenden in Zürich. Ausstellungskurator Niştiman Erdede lebt seit 2008 als politischer Migrant in der Schweiz. Politischer Aktivismus für Menschenrechte ist seit über zwanzig Jahren Teil seines Lebens. Die Zusammenstellung der Werke ist daher auch mehr als eine reine Konzeptauswahl. Hinter jeder künstlerischen Posi­tion stecken eine persönliche Beziehung und eine politische Verbundenheit zwischen dem Kurator und dem Kunstschaffenden. Die Ausstellung ‹Fractured Spine› an sich ist deshalb für Niştiman Erdede eine Form des politischen Widerstands. 

Until 
18.11.2021

→ ‹Fractured Spine – Widerstand durch Sichtbarkeit von Zensur in Journalismus und Kunst›, Photo­bastei 2.0, Zürich, 28.10.–18.11. ↗ www.migrart.ch/fractured-spine

Institutionen Country City
Photobastei Switzerland Zürich
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Fractured Spine 28.10.2021 to 18.11.2021 Exhibition Zürich
Schweiz
CH
Artist(s)
Zehra Doğan
Author(s)
Sarah Merten

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