Andy Warhol

Andy Warhol · In the Bottom of My Garden, ca. 1956, Künstlerbuch, Offsetdruck auf Papier, handkoloriert, 21,9 x 28,6 x 1 cm © ProLitteris. Foto: Haydar Koyupinar

Andy Warhol · In the Bottom of My Garden, ca. 1956, Künstlerbuch, Offsetdruck auf Papier, handkoloriert, 21,9 x 28,6 x 1 cm © ProLitteris. Foto: Haydar Koyupinar

Andy Warhol · a glittering alternative, 2020, Ausstellungsansicht mumok © ProLitteris. Foto: Klaus Pichler

Andy Warhol · a glittering alternative, 2020, Ausstellungsansicht mumok © ProLitteris. Foto: Klaus Pichler

Hinweis

Andy Warhol

Wien — Eine neue Andy-Warhol-Ausstellung sei immer ein Ereignis wie wenige andere in der Kunstwelt, heisst es im Katalog zur Ausstellung im Mumok unter Bezugnahme auf einen Text zur Warhol-Retrospektive von 2019 im New Yorker Whitney Museum. Nun, ist es denn so? In Wien eröffnete diese grosse Schau ohne viel öffentliches Trara, was auch an der aktuellen Corona-Lage liegen mag. ‹Andy Warhol Exhibits a glittering alternative› klingt irgendwie frisch – es ist eine entschlackte und oft sehr reduziert wirkende Schau entstanden, die Werkblöcke und Themen, die im allgemeinen Warhol-Gedächtnis nicht sehr tief verankert sind, in den Vordergrund rückt. Warhols Frühwerk zum Beispiel enthält nicht nur die unzähligen bunten grafischen Blätter mit Schuhmodellen oder kleinen Putti, die fantastisch verspielt wirken, sondern auch ein knapp und verdichtet gezeichnetes ‹Lady’s Alphabet›, ein ABC mit cartoonartigen Frauenbildnissen von 1953 mit androgynem Charakter. Frühe Sprühbilder aus den Fünfzigerjahren gehören ebenso zu den Entdeckungen wie weitere Blätter, bspw. ‹Unidentified Male›, die Warhols Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, dem Begehren und dem Spiel der Affekte dokumentieren. Der schillernde Medienkünstler, der Warhol später wurde, ist in diesen Blättern noch nicht zu erkennen, aber das steigert nur den Reiz der Werke, deren Präsentation Warhol zu Lebzeiten untersagte. Indessen kann sein Hang zum Seriellen, der später so ausgeprägt wurde, bereits hier nachvollzogen werden.
Gezeigt werden im Mumok auch Installationen, wie die berühmte Kuhtapete, der ein ganzer Raum gewidmet ist. Das filmische Werk ist mit emblematischen Arbeiten vertreten, die einerseits im Homemovie-Format projiziert, andererseits als filmische oder TV-Installatio­nen gezeigt werden. Der devianten Deliranz von Warhols Factory schliesslich begegnet man in einer Multimedia-Installation, die zum Besten gehört, was die Ausstellung zu bieten hat: Unter Musik und Medienprojektionen verwandelt sich der Raum zu einem immersiven, berückenden All-Over-Erlebnis. Das Konzept von ‹Andy Warhol Exhibits› fokussiert dabei auf Andy Warhol als Kurator von Ausstellungen – dies allerdings ist nicht in jedem Bereich nachvollziehbar, da sich Werk und Präsentation zu sehr überschneiden. Aber das spielt dann auch keine Rolle, da das Ereignis an sich doch für sich allein sehr gut bestehen kann. 

Until 
31.01.2021

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