Guido von Stürler

Guido von Stürler · The History Mode Series: No.7, 2017, HQ-Druck auf Ferrari®-Banner, 183 x 132,5 cm

Guido von Stürler · The History Mode Series: No.7, 2017, HQ-Druck auf Ferrari®-Banner, 183 x 132,5 cm

Guido von Stürler · The Footprintz Series: No.13, 2020, Wasserschlauch, Epoxidharz, Polystyrolscheibe, Aluleiter, Kunststoffzange, 80 x 50 x 160 cm

Guido von Stürler · The Footprintz Series: No.13, 2020, Wasserschlauch, Epoxidharz, Polystyrolscheibe, Aluleiter, Kunststoffzange, 80 x 50 x 160 cm

Hinweis

Guido von Stürler

Arbon — Öffnen digitale Medien ein Tor zur Welt oder sind wir vielmehr Gefangene in der Enge unserer immer kleineren Geräte und deren Programme? Drei neue Werkgruppen von Guido von Stürler (*1956, Sydney) in der Galerie Adrian Bleisch zeigen enigmatische Sinnbilder, die drängende Fragen ebenso wie Absurditäten der heutigen Zeit widerspiegeln.
Aus zahlreichen historischen Stillleben konstruiert der im Thurgauischen lebende Guido von Stürler in den Bannern der ‹History Mode Serie› unüberschaubare und doch klar komponierte Anhäufungen von Blumen, Früchten, Hummern und edlen Gefässen. Allenthalben implizieren Sprechblasen und Tags ein Subjekt, das in der Begegnung mit den Bildern seine Befindlichkeit äussert. Die wiederholt eingefügten Worte «Me», «Why Me», «Eat Me» verweisen in Referenz auf Bruce Naumans quälenden Sprechchor in ‹Anthro/Socio – Rinde Spinning› von 1991/92 auf ein verzweifelt auf sich selbst zurückgeworfenes Individuum. Mit ­Ausrufen wie «Aua» kommt zudem eine infantile Ausdrucksweise ins Spiel, welche auf die sprachliche Hilflosigkeit heute gebräuchlicher Interjektionen und Emojis verweist. Und doch vermitteln die so geäusserten Gefühle eine wohl tief empfundene Verzweiflung angesichts unserer Hinfälligkeit.
Um Konfrontationen mit kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten geht es auch in den Prints von ‹Culture Shock›. Verbindendes Motiv ist ein verwitterter, rot bemalter Holzpflock, unter dem teilweise Skulpturen aus anderen Kulturen oder Epochen – etwa der griechisch-römischen Antike, aus Asien und Afrika – hervor­lugen. Über das Ganze legen sich weissliche, leicht transparente Spuren von zähflüssiger Konsistenz. Diese verunklären das Motiv – ähnlich einem verschmierten Bildschirm, durch den wir in die Welt blicken.
Scheinbar aus den Beständen einer Heimwerkstatt aufgebaut, fügen sich die Objekte der Serie ‹Footprintz› zu rätselhaften Installationen. Gelbe Gartenschläuche umschlingen Stehleitern, deren Gebrauch zusätzlich durch Scheiben aus Polystyrol und Epoxidharz blockiert wird. Während sich das «Do it yourself» als Gegenbewegung zur virtuellen Welt neuer Popularität erfreut, scheinen diese sorgfältig arrangierten Konstruktionen in ausgetüftelte Zweckfreiheit zu münden.
Die drei Werkgruppen vereinen Themen wie die im Netz allzeit zugänglichen Kulturgüter aus aller Welt, die in den Mahlstrom des exzessiven, subjektiven Kommentierens und Bewertens geraten sind, oder die wachsende Inhaltslosigkeit in der Flut kommunikativer Tools. So verdichten sich Guido von Stürlers Werke zu allegorischen Reflexionen unserer Zeit.

Until 
19.12.2020
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Guido von Stürler 21.11.2020 to 19.12.2020 Exhibition Arbon
Schweiz
CH
Author(s)
Corinne Schatz
Artist(s)
Guido von Stürler

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