Kunsträume — Frische Auftritte im Ausstellungsraum Klingental

Ausstellungsraum Klingental, Aussenansicht. Foto: Bruno Steiner 

Ausstellungsraum Klingental, Aussenansicht. Foto: Bruno Steiner 

Valle Medina, Benjamin Reynolds (Pa.LaC.E) · Grandfather’s Axe, 2020. Foto: Benjamin Reynolds

Valle Medina, Benjamin Reynolds (Pa.LaC.E) · Grandfather’s Axe, 2020. Foto: Benjamin Reynolds

Rebecca Kunz & Mathis Pfäffli, Installation, 2020. Foto: Alexandra vom Endt

Rebecca Kunz & Mathis Pfäffli, Installation, 2020. Foto: Alexandra vom Endt

Fokus

Zwischen Off-Space, Galerie und Atelier: Hier ist selbstorganisierte Arbeitsweise eine über 40-jährige Tradition – eine Besonderheit in der Schweizer Kunstlandschaft. Und wohin die Reise geht, bestimmt in erster Linie die Kunst selbst. Entwicklungs­offen und experimentierfreudig. 

Kunsträume — Frische Auftritte im Ausstellungsraum Klingental

Der Ausstellungsraum Klingental, auf dem Kasernenareal in Basel lokalisiert, vertritt mit seinen Räumlichkeiten ebenjene Botschaft, die er im Namen trägt: für Ausstellungen einen Raum schaffen. Dafür engagiert sich auch der gleichnamige Verein, der den Ort in wechselnden, bunt gemischten Vorstands-Koalitionen (zurzeit 18 Aktive) gestaltet und trägt. Bis auf wenige bezahlte Stellen agieren alle ehrenamtlich.
Gegründet Ende der 1960er aus einer Initiative befreundeter Künstler*innen und in Kooperation mit dem Erziehungsdepartement Basel-Stadt, eröffnete der Ausstellungsraum 1974 seine Türen. Bis heute wird er von Kunstschaffenden und Kunstkenner*innen selbstverwaltend geleitet. Auch bei den ausstellenden Gästen ist Eigenverantwortlichkeit gefragt: vom Entwurf bis zur Durchführung des Projekts, die Entwicklung eigener Vermittlungsformate mit eingeschlossen. Nur der Ort ist gegeben – doch neben der Einfachheit dieser Geste lässt sich hier noch viel mehr entdecken: Experimentierfreude, Zusammenarbeit mit internationalen Kurator*innen (aus dem Atelier Mondial und von Pro Helvetia) und der Aufruf an interessierte Künstlerinnen und Künstler, in ihren Arbeiten einen Lokalbezug zur Region Basel herzustellen. Beim Open Call können einmal pro Jahr Ausstellungskonzepte eingereicht werden.
Gerade ist der Ausstellungsraum innerhalb des Gebäudes umgezogen: im Erdgeschoss des ehemaligen, umgenutzten Baus der Klingental-Kirche ein wenig vorgerückt. Dort besetzt er nun die nach fast zweijähriger Innensanierung fertiggestellten, frisch renovierten «Blanko»-Räume. Die Wiedereröffnung wurde mit einem interaktiven Programm und einem Fest gefeiert – und mit einem Ausstellungsprojekt, dessen Titel das Bild eines weissen, noch unbeschriebenen Blatts hervorruft. In ‹Blanko› waren innerhalb von etwa einem Monat nach und nach einzelne Werke von insgesamt elf Kunstschaffenden in die Räumlichkeiten neben dem Foyer eingezogen. Ihre künstlerischen Interventionen kreierten über diesen Zeitraum eine neue Identität des Ortes. Seinen neuen visuellen Auftritt prägte das preisgekrönte Zürcher Grafikbüro Atlas Studio. Gleich über den Ausstellungsräumen befinden sich die ebenfalls neu eröffneten Klingental-Ateliers. Der Charakter des Ausstellungsraums hat sich durch den Umbau verändert und erscheint nun wieder im Sinne seiner ursprünglichen Intention: indem in einem bestehenden Projekt neuer Raum für neue Kunst geschaffen wurde und indem zugleich neue Kunst neuen Raum schafft.

Valeska Marina Stach, freie Autorin, Künstlerin aus Berlin, lebt in Basel. valeskamarinastach@gmail.com
Kunsträume — Die Reihe wird realisiert mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

→ ‹Bettina Grossenbacher›, bis 13.12.; ‹Cartographies of the Unseen›, 29.11.–3.1., Ausstellungsraum Klingental ↗ www.ausstellungsraum.ch

Until 
13.12.2020

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