Unter der Sonne die ganze Welt

Violeta Burckhardt · Wir schaffen das, 2020, (Auto); Ugo Rondinone · vierterdezember­zweitausendundneunzehn, 2019 (Gemälde), Courtesy Galerie Eva Presenhuber; Solange Pessoa · Untitled, 2019 (Bodenarbeit)

Violeta Burckhardt · Wir schaffen das, 2020, (Auto); Ugo Rondinone · vierterdezember­zweitausendundneunzehn, 2019 (Gemälde), Courtesy Galerie Eva Presenhuber; Solange Pessoa · Untitled, 2019 (Bodenarbeit)

Elise Corpataux · All we have is now (Serie), 2020; Claudia Comte & Adeline Millard · Pietro Sarto, 2007/20, Wandtext, Courtesy König Galerie & Gladstone Gallery. Fotos: Gunnar Meier

Elise Corpataux · All we have is now (Serie), 2020; Claudia Comte & Adeline Millard · Pietro Sarto, 2007/20, Wandtext, Courtesy König Galerie & Gladstone Gallery. Fotos: Gunnar Meier

Hinweis

Unter der Sonne die ganze Welt

Baselland/Bennwil — Ein Auto und darin eine Palme, leuchtende Sonnenuntergänge auf der Leinwand, zarte grafische Sprachberge an der Wand, ein wie in Wachs gegossenes Architekturmodell, hängende organische Keramikskulpturen und dunkle Trauben zwischen gummiert erscheinenden Bronzefladen auf dem Boden. Das Country Sales lädt ein zur allerersten Ausstellung auf dem neuen Gelände des Künstler-/Kurator-Paars Claudia Comte und Samuel Leuenberger in Bennwil.
Die Gruppenausstellung unter dem Titel ‹This Morning, in the Sweet Torpor of the Great Forest, is Like Every Morning in the World› in der ehemaligen Scheune, die nun wie eine Raumkapsel für neue Welten fungiert, zeigt unterschiedliche Positionen im Zusammenhang von individuell künstlerischer Naturbetrachtung. Fernab vom Zentrum sozialer Interaktion, inmitten grüner basellandschaftlicher Hügel erzählen die ausgestellten Arbeiten mit teils humorvollem, teils melancholischem und mit stets kritischem Blick von konzeptuellen bis romantisierten Naturvorstellungen.
Sowohl der in New York lebende Künstler Udo Rondinone als auch Elise Corpataux visualisieren in ihren Arbeiten Sonnenuntergänge. Rondinone malte den Blick aus seinem Fenster auf den Horizont, hinter dem der Lichtball versinkt; Corpataux malte Mimikrys von ebendiesem Szenario verschiedener Instagram-Fotos. Der Anblick erzeugt eine bizarre Irritation, die zwischen realen, erinnerten und Merchandising-Perspektiven hin und her schwingt.
Auch das Bild der Berge ist ein Klischee-behaftetes Image von Natur. Die sich über die Ausstellungswände grossflächig erstreckenden, spitz aufragenden und immer wieder ins Tal stürzenden Silhouetten bestehen aus aneinandergereihten Wörtern von Claudia Comte und Adeline Mollar. Linien zu zeichnen, die eine Berglandschaft formen, ist Sinn des Textes selbst; Form und Inhalt sind konform. Die Typografie ist die visualisierte Dokumentation eines früheren Interviews Comtes aus Studienzeiten (2007) mit ihrem damaligen Mentor, dem Schweizer Maler Pietro Sarto über ebenjene malerische Abbildung – von Natur und Landschaften. Violeta Burckhardt, aktuell bei Vogt Landschaftsarchitekten in Zürich tätig, spricht mit ‹Wir schaffen das›, 2020, die kulturelle Symbiose aus Fiat und einer importierten Palme an. Die brasilianische Bildhauerin Solange Pessoa öffnet mit ihrer Boden-und-Wand-Installation aus den Materialien Bronze, Trauben und Keramik einen sehr sinnlichen Zugang zur Natur.
Peter Zumthors Architekturmodell repräsentiert den Gedanken des hierarchielosen Zusammenspiels aus Gebäude und Ort, aus architektonischem Raum und seiner natürlichen Umgebung, an der er sich orientiert. 

Until 
19.12.2020

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