Laura Lima — Playful Geometry

Laura Lima · Bar Restaurant, 2010/2013, Installation, verschiedene Materialien, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger

Laura Lima · Bar Restaurant, 2010/2013, Installation, verschiedene Materialien, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Im Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich tritt Laura Limas Installation ‹Bar Restaurant› in einen Dialog mit Werken der Minimal Art, der Konzeptkunst und der abstrakten Malerei. Verbindendes Element: die geometrische Form. Es ist ein gleichermassen überraschendes wie anregendes Nebeneinander.

Laura Lima — Playful Geometry

Zürich — Ein Regenschirm und ein Kubus treffen sich in einer Bar. Was wie der Anfang eines surrealistischen Witzes klingt, ist die Konstellation, die der Arbeit ‹Bar Restaurant› der brasilianischen Künstlerin Laura Lima (*1971) zugrundeliegt. An zwölf kleinen Holztischen sitzen jeweils zwei Objekte vor einem Glas Bier: ein weisser Regenschirm, ein gelber Kegel aus Papier, ein unförmiger Klumpen Ton, ein roter Kubus. Ein Kellner oder eine Kellnerin schenkt Bier nach, wenn einer der stummen Gäste auf dem Trockenen sitzt. Limas raumfüllende, mit zahlreichen kunsthistorischen Referenzen versehene Installation bildet den Auftakt und den Blickfang der Ausstellung ‹Playful Geometry› im Migros Museum für Gegenwartskunst.
2013 für ebendieses Museum entstanden, ist ‹Bar Restaurant› nun weiteren Werken aus der Sammlung gegenübergestellt: Arbeiten von Vertretern der Konzeptkunst und der Minimal Art, einem der Sammlungsschwerpunkte des Migros Museum. Die grossen Amerikaner Donald Judd (1928–1994), Robert Mangold (*1937) und Sol ­LeWitt (1928–2007) sind ebenso zugegen wie wichtige Schweizer Kunstschaffende: Olivier Mosset (*1944), Sylvie Fleury (*1961) und Valentin Carron (*1977). Auf den ersten Blick scheint ‹Bar Restaurant› wenig gemein zu haben mit seinen Ausstellungsnachbarn: Deren strenge geometrische Formen und monochrome Farbflächen wirken geradezu nüchtern im Vergleich zu Limas Arbeit, die erzählerisch und augenzwinkernd ist, belebt von der Anwesenheit des Kellners, der ihr etwas Performatives verleiht.
Je länger man sich aber zwischen den beiden Welten, die sich über zwei Ausstellungsräume im Erdgeschoss verteilen, hin und her bewegt, desto mehr drängen die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund. Robert Mangolds geometrisch geformte Leinwände und Sol LeWitts an die Wand gehängte dreieckige, quadratische und runde Rahmen lassen an die Kegel, Zylinder und Kuben in Limas Bar denken. Deren leuch­tende Farbigkeit wiederum erinnert an Olivier Mossets monochrome Gemälde, die präzise Platzierung der Tische und Stühle an die siebzig regelmässig angeordneten Radkappen von Sylvie Fleurys ‹She Devils on Wheels Hubcaps Collection›. Und auf einem der Stühle in Limas ‹Bar Restaurant› entdeckt man ein Bild des deutschen Malers Blinky Palermo (1943–1977), ein grünes Dreieck auf weissem Hintergrund – als hätte es sich von den anderen Gemälden der Ausstellung verabschiedet und sich, anstatt weiter an der Wand zu hängen, ein Feierabendbier gegönnt. 

Tobias Söldi ­(Schreiben über Kunst, MA Kulturpublizistik ZHdK)

Until 
09.01.2022

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