Techno

Sandra Mujinga · Spectral Keepers, 2020. Foto: Luca Guadagnini

Sandra Mujinga · Spectral Keepers, 2020. Foto: Luca Guadagnini

Mire Lee · Untitled, 2021; Jan Vorisek · Devotion Strategy, 2020 (hinten), Ausstellungsansicht Museion Bozen, 2021

Mire Lee · Untitled, 2021; Jan Vorisek · Devotion Strategy, 2020 (hinten), Ausstellungsansicht Museion Bozen, 2021

Hinweis

Techno

Bozen — Elektronische Musik pocht durch die Kopfhörer, die mir am Eingang in die Hände gedrückt werden. Eine Silent Party im Kunstmuseum? Ein Day Rave? Weder noch: Drei Techno-Tracks, die in Dauerschleife laufen, sollen mich begleiten, während ich über vier Etagen mit ökologischen, gesellschaftlichen und geopolitischen Fragen konfrontiert werde.
Die Gruppenausstellung ‹Techno› im Museion Bozen bildet den Auftakt des Langzeitprogramms ‹Techno Humanities› (2021–2023) des neuen Museumsdirektors Bart van der Heide. Mit seinen synthetisch erzeugten Klängen markiert Techno den ersten Höhepunkt der Automatisierung in der Musikbranche. Das in der Deindustrialisierung entstandene Genre beleuchtet Themen, die immer relevanter werden: stete Beschleunigung, die Rollenteilung von Mensch und Maschine, den Wechsel zwischen Produktivität und Entspannung. Die Ausstellung selbst thematisiert aber zunächst den regionalen Bezug des Musikstils: Als Warm-up liegen auf einem langen Tisch im Erdgeschoss verschiedene Flyer, Bilder, Platten sowie Kopfhörer mit Mixtapes der Südtiroler Technoszene seit 1990 bereit.
In der Gegenwart angekommen, zeichnet die Ausstellung in den drei Themenbereichen «Freiheit», «Kompression» und «Erschöpfung»  ein düsteres Bild. Ein seltsames Empfangs­komitee aus vier gespenstischen Sensenmännern überwacht den ersten, grün beleuchteten Raum. Die Technomusik in meinen Ohren grollt – oder meine ich das nur? Die in der Pandemie entstandenen ‹Spectral Keepers› von Sandra Mujinga stehen für Gefahren unserer Zeit: die digitale Überwachung oder die fortschreitende Umweltzerstörung zum Beispiel.
Im Raum «Erschöpfung» spannt sich das aufblasbare Labyrinth ‹Devotion Strategy› des Schweizer Künstlers Jan Vorisek auf, das 2020 im Kunsthaus Glarus zu sehen war. Ich schreite durch scheinbar identische Gänge aus schwarzem PVC und befinde mich in einem dreidimensionalen Loop. Auch Voriseks Arbeit verharrt in einer Wiederholung: Während des Ausstellungsbetriebs sind die Wände mit Luft gefüllt, am Abend wird die ephemere Architektur wieder entlüftet.
In den Themenräumen «Freiheit» und «Kompression»  ist die Zuteilung einiger Arbeiten nur schwer nachvollziehbar. Ansonsten ist der Auftakt zu ‹Techno Humanities› fulminant und inspirierend: 20 Südtiroler und internationale Positionen bringen den Begriff Techno kräftig zum Flimmern. Und auch meine Gedanken, die jetzt gut eine After-Hour gebrauchen könnten. 

Natalie Schärer, (Schreiben über Kunst, MA Kulturpublizistik ZHdK)

Until 
16.03.2022
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Techno 11.09.2021 to 16.03.2022 Exhibition Bolzano
Italien
IT

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