Khvay Samnang und Raphaela Vogel

Khvay Samnang · Popil, 2018, Digital C-Print, 80 x 120 cm

Khvay Samnang · Popil, 2018, Digital C-Print, 80 x 120 cm

Raphaela Vogel · A Woman’s Sports Car, Installationsansicht Haus der Kunst, 2018.  Foto: Maximilian Geuter

Raphaela Vogel · A Woman’s Sports Car, Installationsansicht Haus der Kunst, 2018.  Foto: Maximilian Geuter

Hinweis

Khvay Samnang und Raphaela Vogel

München — Desaströse Finanzen und starker Sanierungsbedarf, nach Okwui Enwezors Ausscheiden der vakante Chefposten, abgesagte Ausstellungen und ein behäbiges Ersatzprogramm – aus dem Münchner Haus der Kunst las man lange kaum gute Nachrichten. Jetzt gibt es einen vorsichtigen Schritt in die Zukunft: Ein dreiköpfiger Expertenrat, dem die Schweizer Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Bice Curiger vorsteht, soll die Institution in den kommenden zwei Jahren bei der Neuorien­tierung «strategisch und programmatisch unterstützen». Die Münchner Sammlerin Ingvild Goetz und Achim Hochdörfer vom Museum Brandhorst stehen Curiger zur Seite.
Auch die 9. und 10. ‹Kapsel›-Ausstellung bietet einen Hoffnungsschimmer: Der kambodschanische Künstler Khvay Samnang liess den wirtschaftlichen Aneignungsprozess zwischen dem übermächtigen China und Kambodscha von zeitgenössischen Choreografen in eine Tanz-Performance übersetzen. In seiner 2-Kanal-Installation ‹Popil› inszeniert er das ungleiche Ringen zwischen dem roten und dem goldenen Drachen. Die Bewegungsabfolge basiert auf einem Khmer-Tanzritual, das um Regen und Fruchtbarkeit bittet. Die Tänzerinnen mit Drachenköpfen kreisen inmitten einer Flusslandschaft umeinander, wälzen sich auf dem Boden, winden sich im Wasser. Liebesreigen oder Überlebenskampf? Das Thema sei materieller und kultureller «Austausch», die humanitären und ökologischen Begleiterscheinungen der Globalisierung, Migrationsströme von Menschen und Kapital, erklären Samnang und Kurator Damian Lentini. Im Tanz ist das nicht ohne Erläuterung erkennbar, wird aber recht robust ausgetragen – dass es um «alles oder nichts» geht, spürt man. Ein «Drache» und eine kreisende Bewegung prägen auch Raphaela Vogels Multimedia-Installation ‹A Woman’s Sports Car›: Dafür liess die Nürnbergerin einen Triumph Spitfire ins Obergeschoss hieven. Das Cabrio rotiert, flankiert von Drachensäulen, langsam um seine eigene Achse. Seine Scheinwerfer sorgen für eine Doppelprojektion, die mit um den Raum kreist. Ihre Umrisse haben die Form von Augen, in deren Blick, gefilmt durch eine 360-Grad-Linse, Landschaften, Strassenszenen und der Pudel der Künstlerin auftauchen. Dieser Drache ist ein Weltenschöpfer – spuckt Bilder, nicht Feuer. Vogel spielt sinnlich und bildgewaltig mit Klischees, auch von Dominanz und Potenz. Der frisierte Roadster ist nicht zuletzt durch das Kennzeichen eine Hommage an die Mutter. Er ist raumgreifend, extravagant und egozentriert – also ein ambivalentes, aber auf jeden Fall spannendes Role Model.

Until 
30.06.2019

Advertisement