Pati Hill

Pati Hill · Informational Art (Lamb Chart), 1951, Courtesy Pati Hill Collection, Arcadia University

Pati Hill · Informational Art (Lamb Chart), 1951, Courtesy Pati Hill Collection, Arcadia University

Pati Hill · Alphabet of Common Objects (egg), 1975–79, Courtesy Pati Hill Collection, Arcadia University

Pati Hill · Alphabet of Common Objects (egg), 1975–79, Courtesy Pati Hill Collection, Arcadia University

Hinweis

Pati Hill

Zürich — Hier ein fein säuberlich gefaltetes Männerhemd, dort aneinandergereihte Lockenwickler, ein frisch aufgeschlagenes Spiegelei. Betrachten wir diese kopierten Abbilder, dringt ein geisterhaft-mechanisches Geräusch in unser Ohr; wie der Kopierer über die Objekte streift, ein-, dann noch einmal, um sie mit starken Schwarz-Weiss-Kontrasten festzuhalten. Und schliesslich hören wir das Rascheln der Papiere, die aus dem Gerät gepresst werden. Ein-, dann noch einmal.
In ihren Kopien und Gedichten, die ebenfalls in der Kunsthalle Zürich zu sehen sind, thematisiert die amerikanische Schriftstellerin und Künstlerin Pati Hill (*1921, Ashland) den häuslichen Raum und politisiert ihn zugleich. Als Raum der unsichtbaren, nicht anerkannten Hausarbeit, der vergeschlechtlichten Rollenbilder. Denn die kopierten Objekte von Pati Hill sind die Verkörperung jener Erwartungen, denen sie als Frau zu entsprechen hatte. Ob als Inbegriff der «modernen» Frau, als sie für die französische ‹Elle› modelte, oder der «idealen» Mutter und Hausfrau. Dies verdeutlicht die Serie ‹Informational Art›, in der sie Anfang der Sechzigerjahre mit der Geburt ihrer Tochter Gebrauchsanweisungen sammelte, die das Aufstellen eines Bügelbretts erklärten oder die Zubereitungen des perfekten Lammsteaks. Im Gegensatz zu anderen Feministinnen der damaligen Zeit bildete Pati Hill nur selten ihren eigenen Körper ab. Man denke an die amerikanische Künstlerin Carolee Schneemann, die nackt an einem Seil hängend die Leinwand bemalte und die Objektivierung des weiblichen Körpers thematisierte. Pati Hill ging anders mit gesellschaftlich konstruierten Idealen um. 1979 schrieb sie: «Ich kopiere mich nicht selbst, aber ich wurde jahrelang abgebildet und bekam dadurch ein Gefühl der Realität. Der Realität eines Objekts vielleicht.» Dabei spielt auch das Medium, das sie für ihre künstlerische Auseinandersetzung wählte, eine zentrale Rolle. Der Kopierer, der mit Sekretariats- und klischierten Vorstellungen weiblicher Arbeit assoziiert wurde. Und ähnlich wie die Copy Art in den Siebzigerjahren Fragen nach Vervielfältigung und Urheberrecht aufwarf, stellt Pati Hill einen Bezug zum fetischisierten Bild der Frau her, das ebenfalls appropriiert wird, wobei das Urheberrecht nie bei ihr selbst liegt. 

Until 
02.05.2021
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Pati Hill 12.12.2020 to 02.05.2021 Exhibition Zürich
Schweiz
CH
Artist(s)
Pati Hill

Advertisement