Tatjana Erpen, Denis Tweren- bold

Denis Twerenbold · Glowing Animal II (Swan), 2020, SW-Fotografie, koloriert mit Neon-Textmarker, 107 x 86 cm

Denis Twerenbold · Glowing Animal II (Swan), 2020, SW-Fotografie, koloriert mit Neon-Textmarker, 107 x 86 cm

Tatjana Erpen · Light up, 2020, Mixed-Media-Installation (Detail)

Tatjana Erpen · Light up, 2020, Mixed-Media-Installation (Detail)

Hinweis

Tatjana Erpen, Denis Tweren- bold

Meggen — Ganz am Anfang der Ausstellung hängt ein bemerkenswertes Werk von Denis Twerenbold (*1982). ‹Squeezate›, 2021, besteht aus gelbgrün leuchtendem Acrylglas, in das ein Kreis eingraviert ist – Konzeptkunst, möchte man meinen. Die Arbeit entstand allerdings in enger Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften. Beim Kreis handelt es sich um den Rand des glockenförmigen Körpers einer Atlantikqualle. An sich transparent, leuchtet die Qualle als Reaktion auf äussere Reize grün auf. Das fluoreszierende Protein (GFP) kommt in der Medizin zum Einsatz, wird aber auch für Experimente genutzt, etwa für genmanipulierte Leuchtfische. Biolumineszenz und Fragen der Manipulation sind in den präsentierten Arbeiten zentral. Das gilt für die Gruppe von Delphinköpfen ‹GFP Dolphin I-V›, 2020, ebenso wie für den «Geistersaft» (Aesculin) der Rosskastanie, der in einer Videoarbeit sichtbar gemacht wird. Auch die ‹Glowing Animals› widmen sich dieser Thematik. Twerenbold hat analoge Schwarzweissfotografien von Tieren mit Textmarker koloriert, sodass sie einem in poppigem Neongelb entgegenspringen. Die Bildmanipulationen erzeugen ein Gefühls-Amalgam aus Faszination und Beunruhigung. Im Kern geht es immer auch um Eingriffe des Menschen in die Natur, um Bio-Macht. Was zwischen Kunst und Künstlichkeit aufleuchtet, ist ein Bewusstsein für die Fragilität aller biologischen Existenz.
Ein Klicken lockt in den ersten Stock, der von Tatjana Erpen (*1980) bespielt wird. Das Geräusch entspringt dem Ein- und Ausschalten eines Lichtschalters in einer 2-Kanal-Video­arbeit. Ihr Titel ‹Synchronicity as an idea›, 2020, erweist sich als programmatisch. Erpen hat sich mit kulturellen Wahrnehmungsmustern auseinandergesetzt und festgestellt: Nicht alles lässt sich eins zu eins vergleichen und übersetzen. Wo man glaubt, es gehe einem ein Licht auf, da offenbaren sich Übersetzungs­paradoxien und Missverständnisse. Die meisten Videoarbeiten, die Erpen teils mit Projektpartnerinnen und -partnern aus Tansania realisiert hat, weisen einen dokumentarischen Charakter auf. Im Ausstellungsraum befindet sich jedoch noch ein weiterer Raum, der eine konträre Welt eröffnet. Tapetenprints, wie sie in Fotostudios in Tansania zum Einsatz kommen, bilden den Hintergrund für bunte Reklamewelten. Für was geworben wird, bleibt ein Rätsel. Monitore mit Live-Translation demonstrieren nicht die Übermacht der Technologie, sondern ihr Scheitern an der babylonischen Sprachverwirrung. So wird ein und derselbe Slogan mal übersetzt als «Denken Sie nicht daran – ich kümmere mich nicht um die Welt – ich habe es nicht getan», mal als «Denken Sie daran – Weltpflege – sie haben nicht». Statt Klarheit entsteht Wirrsal – was der Realität möglicherweise näher kommt als das angestrebte Ideal der Eindeutigkeit. 

Until 
11.04.2021

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