Ohne Titel — Gegenwartsmalerei mit Körperkontakt

Ausstellungsansicht ‹Ohne Titel› mit Werken von Jordan Madlon, Mirjam Blanka Inauen, Christelle Kahla, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen © ProLitteris. Foto: Bernhard Strauss

Ausstellungsansicht ‹Ohne Titel› mit Werken von Jordan Madlon, Mirjam Blanka Inauen, Christelle Kahla, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen © ProLitteris. Foto: Bernhard Strauss

Ausstellungsansicht ‹Ohne Titel› mit Werken von Florina Leinß, Jan-Hendrik Pelz (im Vordergrund), Kunstmuseum Singen © ProLitteris. Foto: Bernhard Strauss

Ausstellungsansicht ‹Ohne Titel› mit Werken von Florina Leinß, Jan-Hendrik Pelz (im Vordergrund), Kunstmuseum Singen © ProLitteris. Foto: Bernhard Strauss

Besprechung

Das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen und das Kunstmuseum Singen zeigen ‹Junge Malerei aus Süddeutschland und der Deutschschweiz›. Bekannte und unbekannte Maler:innen, Professor:innen und Studienabgänger:innen führen im Nebeneinander die Dringlichkeit malerischer Präsenz vor.

Ohne Titel — Gegenwartsmalerei mit Körperkontakt

Schaffhausen / Singen — Ein nacktes Hinterteil streckt sich den Besucher:innen im Museum zu Allerheiligen entgegen. Eine provokante – inhaltsbezogene – Geste. Drei sonnenbadende Personen hat Lin Olschowka auf einem Bootsdeck positioniert. Statt erotischem Prickeln herrscht Langweile, statt Lebensfreude pure Uniformierung und die Illusion des Selbstbräuners. Nackt sind die Personen im Grunde nicht, dafür vollkommen entblösst: «bloss-gestellt». Ihre Körper sind durch (noch) ungebräunte weis­se Stellen mit linearer Präzision markiert. An den Spiegel eines Wildtiers erinnern die weiss gebliebenen Pobacken, ein Warnzeichen, anspielungsreich versteckt.
Olschowka, geboren 1995, gehört zu den Jüngsten der Gruppenschau ‹Ohne Titel›, einer grenzübergreifenden Kooperation des Museum zu Allerheiligen Schaffhausen und des Kunstmuseum Singen. Wahrnehmung wird sichtbar gemacht und malerisch vorgetragen, gleichzeitig werden die vertraute Zeichensprache und Bildklischees anderer Medien in die Malerei eingebaut, befragt und transformiert. Hinter einer eingangs die Sicht einschränkenden Stellwand ist eine Malerei als begehbare Bodeninstallation ausgelegt, die unsere Körper zu neuen Wegrouten einlädt. Sanna Reitz, die bei Leni Hoffmann in Karlsruhe studierte, hat Pflastersteine puzzleartig aneinandergefügt und sprunghaft mit weisser Farbe bemalt. Die erfrischend choreografierte Signalisierung begehrt gegen die konstruierten Trampelpfade im gesellschaftlichen Leben mit all seinen normierten Verhaltens- und Deutungsweisen auf. Die Ausstellung ‹Ohne Titel›, die sich Offenheit auf die Fahne geschrieben hat und sechzig Künstler:innen vereint, die zwischen 1974 und 1998 geboren wurden, bringt zur Sprache, wo sich das spezielle Potenzial von Malerei auf der Höhe der Zeit zeigt. Buchstäblich zur Sprache, da neben der spürbar physischen Raumeinbettung der Betrachtenden durch die Werke tiefer liegende Bedeutungsebenen, oft aktiviert durch irritierende Titel, eine dynamische Reflexionsplattform bieten. Zudem regt durchsichtiges Glas in der Malerei – anders als bei den allgegenwärtigen planen Monitoren – eine bühnenbildartig gestaffelte Raumpräsenz an. Wie durch ein Schaufenster blickt man in Singen durch die grosse Glasfront des Museums auf eine schlafende Person in einem Bett. Tritt man näher und sieht statt einer Matratze ein Ölbild, vermengen sich klassische Malerei und konzeptuelle Existenzbefragung. 

Until 
16.04.2023

→ ‹Ohne Titel – Junge Malerei aus Süddeutschland und der Deutschschweiz›, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen und Kunstmuseum Singen, bis 16.4. ↗ www.allerheiligen.chwww.kunstmuseum-singen.de

Institutionen Country City
Kunstmuseum Singen Germany Singen
Museum zu Allerheiligen Switzerland Schaffhausen
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
OHNE TITEL. 04.12.2022 to 16.04.2023 Exhibition Singen
Deutschland
DE
Ohne Titel 04.12.2022 to 16.04.2023 Exhibition Schaffhausen
Schweiz
CH

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