allerDings

Nancy Wälti · Knäuel, 2014. Foto: David Aebi

Nancy Wälti · Knäuel, 2014. Foto: David Aebi

Muriel Baumgartner · Re-form, 2019

Muriel Baumgartner · Re-form, 2019

Hinweis

allerDings

Baden — So richtig beachten mögen die Badenerinnen und Badener ihren Lokalmatador Hans Trudel schon lange nicht mehr, obwohl seine Figuren im öffentlichen Raum schöne Reigen vollführen und an der Limmat herz­erweichend Tränen vergiessen. Und nun kommt da die auswärtige Künstlerin Andrea Vogel (*1974), getarnt als flotte Physiotherapeutin, und verpasst Trudels liegendem Bacchus im Badener Kurpark eine Massage. ‹Sculpture Massage #8› heisst die auf Video übertragene Ganzkörpertherapie, die den versteinerten Weingott und die Einheimischen aus ihrer Erstarrung befreien sollte. Witzig ist das, aber auch schmerzhaft: Der raue Kalkstein hinterlässt bei der Künstlerin Verletzungen. Genauso wie in einer weiteren Videoperformance ein alter Stickrahmen, der am Po der Künstlerin baumelt, auf ihren Waden Hämatome verursacht, während sie in High Heels einen Catwalk abschreitet. Künstlerinnenarbeit bis an die Schmerzgrenze. Die gelernte Textildesignerin aus St. Gallen ist eine von vier Frauen, die im Trudelhaus unter dem Titel ‹allerDings› der Künstlerinnenexistenz im Allgemeinen und ihren Arbeitsbedingungen im Speziellen Ausdruck verleihen. Anstoss zu dieser Ausstellung gab die Bildhauerin Nancy Wälti (*1977), die bereits anlässlich einer 68er-Schau im benachbarten Historischen Museum Iris von Rotens Bestseller ‹Frauen im Laufgitter› mit einer Installation aufgebrochener Gitterstäbe ihre Reverenz erwies. In der von Andrina Jörg und Cornelia Ackermann kuratierten Schau hingegen zeigt die Solothurnerin, wie man Ton durch den Fleischwolf drückt und wie daraus eine wunderbare Kücheninstallation entsteht. Kathrin Borer (*1972) verleiht ihren Objekten humoristische und gleichzeitig bitterböse Noten: Vogelhäuschen mit Messerklingen vor dem Eingang vertreiben garantiert jeden Vogel. Und wer bei ihrem auf einem Sockel präsentierten Schambürstchen unanständige Gedanken hat, liegt goldrichtig. Muriel Baumgartner (*1976) schliesslich verformt putzige Stofftierchen zu kleinen Monstern, die an Produktionsbedingungen im Fernen Osten erinnern. Die Botschaft ist klar: Meister Lampe und Konsorten trimmen unsere ganz Kleinen schon früh auf Sex, Konsum und Kapitalismus. Baumgartners Distorsionen sind alles andere als harmlos. Wie die vier Künstlerinnen ihre typisch weiblichen Lebens- und Arbeitsbedingungen umsetzen, ist kein Aufschrei, sondern in erster Linie ein grosses Vergnügen. 

Until 
13.04.2019
Exhibitions/Newsticker Datesort ascending Type City Country
allerDings 15.02.2019 to 13.04.2019 Exhibition Baden
Schweiz
CH

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