Isa Genzken — Bühnen für Skulpturen

Isa Genzken · Memorial Tower (Ground Zero), 2008, Basic Research, 1989, Installationsansicht Kunsthalle Bern, 2019 © ProLitteris. Foto: Gunnar Meier

Isa Genzken · Memorial Tower (Ground Zero), 2008, Basic Research, 1989, Installationsansicht Kunsthalle Bern, 2019 © ProLitteris. Foto: Gunnar Meier

Besprechung

In der Kunsthalle Bern zeigt sich Architektur skulptural, Skulptur architektonisch, und ihre Besetzung mit Puppen wirkt theatral. Querverbindungen zwischen Arbeiten, für die sich Isa Genzken eines breiten Medien- und Materialspektrums bedient, zeugen von einem autonomen, aber nicht isolierten Werk.

Isa Genzken — Bühnen für Skulpturen

Bern — Isa Genzken (*1948, Bad Oldesloe) gibt nicht gerne Interviews. Dies betont sie auch im Film des Künstlerkollegen Kai Althoff ‹Warum ich keine Interviews gebe›, 2003. Auf dessen Frage, was sie denn unter «modern» – so die häufige Charakterisierung ihrer Kunst – verstehe, folgt ihre Theorie zur Entstehung von Künstlern («bereits im Uterus …»), aber natürlich keine Antwort auf die eigentliche Frage. Die beiden spielen in einem weiteren Film mitunter Polizisten, Kleinkinder, Kellner und Bediente und führen dabei groteske Dialoge, die in ihrer ganzen Länge von über siebzig Minuten schwer auszuhalten sind. Zwischendurch scheint sich Genzken über die Dämlichkeit der Figuren oder über sich selbst in ihrer Rolle zu amüsieren. Doch vielleicht lacht auch einfach die laienhaft verkörperte Person. Auf den ersten Blick erheiternd, strahlen die in der Ausstellung gezeigten Modelle und Skulpturen auch eine gewitzte und manchmal schmerzhafte Tragik aus. Die 2015, also nachträglich hergestellten Modelle von Projekten für den Aussenraum seit den Achtzigerjahren präsentiert Genzken auf hohen weissen Sockeln. Ebenso skulptural wie diese wirkt die Architektur in Bezug zu den vorgeschlagenen künstlerischen Eingriffen. Darin schreckt Genzken nicht vor konstruktiver Kritik an postmoderner Architektur zurück, indem sie der Stadthalle Bielefeld einen diese überragenden Spiegel vorsetzt, oder wenn sie das ehemalige AT&T-Gebäude in New York um zwei fühlerförmige Antennen erweitern möchte. Einige der stets mit der Umgebung interagierenden Vorschläge wurden realisiert, wie manchmal ein am Sockel angebrachtes Foto bezeugt. Andere bleiben Konzept, widersetzen sich aber wenigstens in Modellform den diversen Gründen, die dem Zustandekommen einer öffentlichen Skulptur im ­Wege stehen können. Diese sind den ausführlichen Wandtexten zu entnehmen, in denen Zitate aus einem Gespräch mit Kasper König auftauchen. Dessen Figur fungiert in einem der Modelle als Grössenmassstab. Verschiebungen von Grössenverhältnissen werden zudem dramaturgisch gesteuert, indem wir im Hauptraum plötzlich mitten in einer eben noch modellhaft betrachteten Assemblage stehen und später auf weitere Skulpturen stossen, die auch monumental sein könnten. Und was in ‹Basic Research›, 1988–89, wie ein vermeintliches Zoom wirkt, sind Frottagen des Atelierbodens aus Beton, Material der modernen Architektur schlechthin.

Until 
28.04.2019
Exhibitions/Newsticker Datesort ascending Type City Country
Isa Genzken 23.02.2019 to 05.05.2019 Exhibition Bern
Schweiz
CH
Artist(s)
Isa Genzken
Author(s)
Irène Unholz

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