Zanele Muholi — Dunkle Löwin

Zanele Muholi · Bester I, Mayotte, 2015, Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York
 

Zanele Muholi · Bester I, Mayotte, 2015, Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York

 

Besprechung

Für eine junge Frau aus Soweto kann ein Coming-out lebensgefährlich sein. Die Fotografin und Aktivistin Zanele -Muholi aus Durban beschäftigt sich mit dem Leben und dem veröffentlichten Bild der schwarzen HBTQ-Community in Südafrikas -Townships.

Zanele Muholi — Dunkle Löwin

Zürich — Es ist erschütternd, in der LUMA Ausstellungshalle vor einer Wand mit Aufzeichnungen von Vergewaltigungen und Morden – sogenannten Hassverbrechen – zu stehen: Chronologisch werden alle Gewaltverbrechen an Lesben und Transgender-Personen in den letzten zwanzig Jahren in den schwarzen Townships aufgezählt. An der gegenüberliegenden Wand blicken junge Frauen auf Fotografien – gestylt als ‹Butch› und ‹Femme› – in hinreissend anmutigen Posen tiefernst in die Kamera. Es sind immer wieder dieselben Gesichter abgebildet, auch hier ist das Thema Zeit und Chronologie in den Wiederholungen präsent. In ‹Faces and Phases› lädt uns Zanele Muholi (*1972) ein, auf Besuch zu kommen und die von ihr Porträtierten zu treffen und deren Lebensumstände und Lebensgeschichte kennen zu lernen. Und sie will – dies ist der Künstlerin wichtig – ihre Modelle von ihrer schönsten Seite zeigen. «Wer weiss schon, dass es neben den homophilen Städten wie Durban, Cape Town und Johannesburg auch in Limpopo das ‹Limpopo-Pridefestival› gibt?», fragt die Künstlerin im Video ‹We Live in Fear›. Das Recht, den eigenen Körper zu zeigen, nehmen sich auf der anderen Seite der Ausstellungshalle die ‹Brave Beauties›. Transgender-Personen feiern hier auf grossformatigen Fotografien sich selbst im -Stile westlicher Mode-Ikonen, dabei ist die Offenheit und Verletzlichkeit im Blick der abgebildeten Menschen berührend. Und es stimmt traurig, sich vorzustellen, wie schwierig und gefährlich ein «queeres» Leben in einer Township sein muss. Anstatt die sozialen Missstände und die grassierende Korruption anzugehen, wird gegen die HBTQ-Minderheit gehetzt. Daher sei es wichtig, auch politisch auf den Plan zu treten, meint die Künstlerin. Muholi bezeichnet sich selbst als visuelle Aktivistin, mit Gleichgesinnten hat sie unlängst die Plattform ‹Inkanyiso› (Zulu für «Licht») gegründet, ein Forum für Frauen. Mit Texten und Bildern, die nicht auf Mainstream-Medien zu finden sind, entsteht hier ein Archiv der HBTQ-Gemeinschaft. In Muholis neuester Arbeit ‹Somnyama Ngonyama› – übersetzt: Sei gegrüsst, dunkle Löwin – tritt die Fotografin selbst vor die Kamera. Es geht dabei um ihren Körper wie auch um ihre Seele. An 365 Tagen gestaltete sie ein Selbstporträt in Schwarz-Weiss, wie zufällig drapierte die ehemalige Hairstylistin beliebiges Material wie -etwa Wäscheklammern oder weggeworfene Plastikfolie um Kopf und Hals, denn als schwarze lesbische Frau fühle sie sich oftmals selbst als «Abfall». Ihr fesselnder und zugleich unendlich stolzer Blick markiert das Gegenteil.

Until 
13.05.2018
Institutionensort ascending Country City
Luma/Westbau Switzerland Zürich
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Zanélé Muholi 17.02.2018 to 13.05.2018 Exhibition Zürich
Schweiz
CH
Author(s)
Johanna Encrantz
Artist(s)
Zanele Muholis

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