Annemarie von Matt

Annemarie von Matt · Die Nicht ­Ansprechbare, 1940–1961, Ton bemalt, 24,5 x 16 x 10 cm, ­Nidwaldner Museum Stans

Annemarie von Matt · Die Nicht ­Ansprechbare, 1940–1961, Ton bemalt, 24,5 x 16 x 10 cm, ­Nidwaldner Museum Stans

Annemarie von Matt · Schaufensterdekoration, 1937, Collage auf Sperrholz, 99 x 73 x 2 cm

Annemarie von Matt · Schaufensterdekoration, 1937, Collage auf Sperrholz, 99 x 73 x 2 cm

Hinweis

Annemarie von Matt

Stans — ‹Widerstehlich›: So betitelt das Nidwaldner Museum die Schau über Annemarie von Matt (1905, Root – 1967, Stans). Da wurde kein «un» vergessen. Der Titel ist ein Zitat. Die Künstlerin heftete beschriftete Zettel an die Atelierwände oder an die Tür – Wortspiele, Wortverdrehungen hier, kryptische Botschaften dort, zum Beispiel «ich wese ab», «entweder bin ich abwesend», «weisst Du oder schwarzt Du?», «Ich tue nichts. Das nimmt meine ganze Zeit in Anspruch». Solche Zettel liegen in den Vitrinen neben künstlerisch veränderten Alltagsdingen, neben Kleinskulpturen, Zeichnungen, Liebes- und anderen Briefen. Mit Texten versehene Zeichnungen hängen auch an den Wänden. Sie schildern den ganz eigenen, intim-persönlichen Kosmos dieser Frau, die mit Malereien zu volkstümlichen oder religiösen Themen begann und über den Stanser Bildhauer Hans von Matt, den sie 1935 heiratete, Zugang zur Innerschweizer Künstlerwelt fand. Ihre Aktivitäten zielten kaum nach aussen, führten aber in ihrem inneren Gefühlsraum zu umso eindringlicherer Intensität. Sie blieb nicht bei Visuellem, sondern weitete ihre Tätigkeit aus auf Literarisches, das sich, ähnlich wie ihre Zeichnungen und Objekte, in kein ­Schema pressen lässt: Was die Kuratorin Patrizia Keller an Anschauungsmaterial ausbreitet, wirkt wie das weibliche Freiheitsmanifest in einer Gesellschaftssituation, die auf dieses poetische Aufbegehren ohne Antwort blieb. Aufkeimendes feministisches Selbstbewusstsein, bevor in ihrem Umfeld jemand davon sprach? Dadaistisches Spiel mit verborgenem Sinn und Unsinn ausserhalb des Dadaismus? Surrealismus weitab aller grossstädtischen Zentren? Wer sich auf diesen unterhaltsam-tiefsinnigen Kosmos einlässt, muss die Antwort selber finden – und tut vielleicht gut daran, manches auszublenden, was früher zu hören war über Annemarie von Matt, die mitunter als Mutter der «Innerschweizer Innerlichkeit» zum Kult wurde. Wer erstmals in diesen uferlosen Werkfluss einsteigt, ist unbelastet. Das gilt für die zwischen 1979 und 1991 geborenen acht Kunstschaffenden – u. a. Sophie Jung, Céline Manz und Sam Porritt –, die Patrizia Keller zur Auseinandersetzung mit von Matt einlud. Sie steuern Bild, Installation, Klang, Wort- und auch Konzeptkunst bei. Sie kommen Annemarie von Matt unterschiedlich nahe, verweisen mit ihren frisch-unbekümmerten Arbeiten aber doch nachdrücklich auf die Aktualität der Künstlerin. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Kantonsbibliothek Nidwalden und dem Centre culturel suisse in Paris und wird im Herbst dort zu sehen sein.

Until 
02.08.2020
Exhibitions/Newsticker Datesort ascending Type City Country
Annemarie von Matt – widerstehlich 13.05.2020 to 27.09.2020 Exhibition Stans
Schweiz
CH

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