Gernot Wieland

Gernot Wieland · Thievery and Songs, 2016, 22’40’’, HD/Super 8, Ton, Farbe, Videostill

Gernot Wieland · Thievery and Songs, 2016, 22’40’’, HD/Super 8, Ton, Farbe, Videostill

Gernot Wieland · Ink in Milk, 2018, Filmstill → Kunst Halle Sankt Gallen, bis 5.7., evtl. länger; Filme online: www.salzburger-kunstverein.at

Gernot Wieland · Ink in Milk, 2018, Filmstill → Kunst Halle Sankt Gallen, bis 5.7., evtl. länger; Filme online: www.salzburger-kunstverein.at

Hinweis

Gernot Wieland

St. Gallen — Die Kunst Halle Sankt Gallen – und vor ihr bereits der Salzburger Kunstverein – zeigt drei neue Filme und Fotodrucke des in Berlin lebenden österreichischen Künstlers Gernot Wieland (*1968). Seine Filme berühren durch ihre leichtfüssige Poesie und die ebenso simple Umsetzung an sich komplexer Tatsachen. Wie werden Träume visualisiert? Wie wirkt sich das Unbewusste auf unser tägliches Verhalten aus? Welche Erinnerungen manifestieren sich in für uns wichtigen Bildern? Es sind solche, im Alltag scheinbar irrelevante Fragen, welche die Ausgangslage für die fein choreografierten Filme und Lectureperformances von Gernot Wieland bilden. Wieland geht dabei von Begebenheiten aus, die er selbst erlebt hat – oder die er vorgibt, erlebt zu haben, und erweitert sie durch thematische Recherchen. Trotz dieser stark persönlichen Prägung handeln die Werke von allgemeinen, leicht nachvollziehbaren Empfindungen. Gleichzeitig mäandert die Erzählung in oft abenteuerlichen Wendungen von einer Stelle zur nächsten, und das in ziemlichem Tempo. So beginnt das 20-Minuten-Video ‹Thievery and Songs› mit einem Traum über die Bremer Stadtmusikanten, die als Performancegruppe auftreten und ihre Psychotherapeuten aufsuchen. Plötzlich jedoch sind die Tierfiguren auch Protagonisten in der Occupy-Wall-Street-Bewegung, und wiederum wenig später wird dies alles mit einer Erinnerung an die Vorfahren des Erzählers und das geknechtete Leben einer Tante verknüpft. Wieland erzählt immer aus der Ich-Perspektive, er verwendet ein stark österreichisch gefärbtes Englisch, womit einerseits ein gewisses Lokalkolorit verbunden ist, andererseits eine distanzierende Haltung eingenommen wird. Erschreckende Begebenheiten wechseln mit ironischen Beobachtungen. Sein eigentliches Metier aber ist das Verweben von unterschiedlichen Narrationsebenen und das Mischen von Fakten und Fiktion, durch die sich eine dichte, fast halluzinatorische Stimmung ausbreitet. Das visuelle Material basiert neben gedrehten Filmaufnahmen auf analogen Zeichnungen oder pseudowissenschaftlichen «Strukturskizzen», die bspw. Beziehungsmuster in einem Dorf festhalten. Auch der zweite Film ‹Ink in Milk›, 2018, handelt vom Aufwachsen einiger Jugendlicher auf dem Land im letzten Jahrhundert und den traumatischen Erfahrungen derjenigen, die sich den Autoritätspersonen widersetzten. Die Fotodrucke wiederum zeigen Kristallformen, die gegen Ängste wirken. Etwa die «Angst vor Tagträumen», oder die «Angst vor dem Versuch, die Angst vor Höhe zu überwinden». Dies jedenfalls glauben die Personen, die im Video «einen Kristall performen». Das kollektive Gedächtnis und die Erinnerungen halten an. Sie werden an die Oberfläche geholt und durch erzählerische Transformationen humorvoll und tiefsinnig festgehalten.

Until 
05.07.2020
Exhibitions/Newsticker Datesort ascending Type City Country
Valentina Minnig, Gernot Wieland 29.08.2020 to 08.11.2020 Exhibition St. Gallen
Schweiz
CH

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