Taus Makhacheva — 4’224,92 cm de Degas

Taus Makhacheva · 4’224,92 cm2 de Degas, 2020, Mixed-Media-Installation, Courtesy MCBA. Foto: Etienne Malapert

Taus Makhacheva · 4’224,92 cm2 de Degas, 2020, Mixed-Media-Installation, Courtesy MCBA. Foto: Etienne Malapert

Taus Makhacheva · 4’224,92 cm2 de Degas, 2020, Mixed-Media-Installation, Courtesy MCBA. Foto: Etienne Malapert

Taus Makhacheva · 4’224,92 cm2 de Degas, 2020, Mixed-Media-Installation, Courtesy MCBA. Foto: Etienne Malapert

Besprechung

Verschnörkelte Zeilen wie «achat à la famille de l’artiste» oder «prix modique» ziehen die Neugier auf sich, sobald sich das Auge im neutralen Ambiente von Taus Makhachevas multi­medialer Landschaft grob orientiert hat. Es geht also um Wertedebatten, denkt man sich, und schon steckt man mittendrin.

Taus Makhacheva — 4’224,92 cm de Degas

Lausanne — Ein spektakuläres Video hat Taus Makhacheva (*1983) an der 57. Kunstbiennale von Venedig 2017 bekannt gemacht: ‹Tightrope›, der Mitschnitt einer prekären Performance, wo ein Seiltänzer vor der sublimen Gebirgskulisse Dagestans eine Gemäldesammlung von Fels zu Fels balanciert. Seither war die in Moskau geborene Künstlerin, die in London studiert hat, an mehreren weiteren Biennalen zu Gast. Dabei bewies sie immer wieder, wie sie Lokalbezüge zu finden weiss und es gleichzeitig schafft, den Kunstbetrieb und sein Wertgefüge zu reflektieren. Dies bestätigt sich nun auch in Lausanne, wo man sie eingeladen hat, im Neubau des Musée des Beaux-Arts den Projektraum für Gegenwartskunst einzuweihen. Die Künstlerin erhielt während des Umzugs Einblick in verschiedene Phasen der Um- und Neu­organisation und erfuhr dabei auch von der erst jüngst gemachten Entdeckung, dass dem 1936 in die Sammlung gelangten Pastell ‹Blanchisseuses et chevaux› von Edgar Degas (1834–1917) am oberen wie auch am rechten Rand ein Bildstreifen fehlt. Eine kurz nach dem Tod des Künstlers in dessen Atelier aufgenommene Werkfoto­grafie erlaubte die Rekonstruktion der fehlenden Partien, und diese wurden dann zum Ansatzpunkt für Taus Makhachevas Intervention. Während das Hauptmotiv ungezeigt bleibt respektive einen Stock höher im Original studiert werden kann – zwei Wäscherinnen geraten mit ihrer sauberen Ware in schlammiger Umgebung zwischen ­Pferde –, ­setzt ‹4’224,92 cm2 de Degas› auf Imagination. Nur die Fehlstellen, transferiert auf Stoffbahnen, durchziehen den Raum und bilden zusammen mit einem Mauerwerk aus Soft Sculptures die Grundstruktur eines gedachten Museums. Zum zentralen ­Aspekt erhebt Makhacheva dabei die Kluft zwischen ideellem und monetärem Wert von Kunst. Wie viel höher würde der Degas wohl veranschlagt, wäre er nicht beschnitten worden? Wie sähen Museen aus, dürften sie nicht auf private Förderer zählen? Und welche ­Beweggründe stehen am häufigsten hinter dem Erwerb oder Schenken von Kunst? Antworten geben acht Audiotracks sowie aus den Archiven des mcb-a und anderer Museen exzerpierte Protokollstellen im Stil der eingangs ­zitierten, die ­Makhachva auf die Mauern hat sticken lassen. Visuell bleibt die Arbeit verhalten. Inhaltlich und in Bezug auf die Produktion – Audios, Sound, skulpturale Elemente und Stickereien wurden von einem vielköpfigen Kollektiv realisiert – zeugt sie einmal mehr vom Ansatz der Künstlerin, grosse Narrative vielstimmig hör- und sichtbar zu machen. 

Exhibitions/Newsticker Datesort ascending Type City Country
Taus Makhacheva 12.05.2020 to 23.08.2020 Exhibition Lausanne
Schweiz
CH
Artist(s)
Taus Makhacheva
Author(s)
Astrid Näff

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