Johanna Müller

Johanna Müller · Mutable Life, 2022, ­Installationsansicht Kunstkasten Winterthur. Foto: Fabian Stamm

Johanna Müller · Mutable Life, 2022, ­Installationsansicht Kunstkasten Winterthur. Foto: Fabian Stamm

Johanna Müller · Mutable Life, 2022, ­Installationsansicht Kunstkasten Winterthur. Foto: Fabian Stamm

Johanna Müller · Mutable Life, 2022, ­Installationsansicht Kunstkasten Winterthur. Foto: Fabian Stamm

Hinweis

Johanna Müller

Winterthur — Eine lange Textilbahn zieht sich durch den Kunstkasten, wurde auf Stangen gelegt, die sie halten, sie sanft nach unten durchhängen lassen. Wir sehen sie von aussen, durch die grossen Schaufenster, tauchen in die Szenerien ein, die darauf abgebildet sind.
Ähnlich fragmentarisch wie die Stoffstücke, mit denen der Quilt komponiert wurde, sind auch die digitalen Cut-and-Paste-Aufnahmen, die darauf zu sehen sind. Es sind Aufnahmen von Google Earth, vom Videospiel ‹Grand Theft Auto›, durch das Johanna Müller (*1990, Winterthur) als Avatarin wandert. Als «Internetflaneurin», wie sie es selbst nennt, bewegt sie sich ziellos in den digitalen Bildern umher und geht gleichzeitig darin unter. Damit thematisiert sie die Überlagerung von Räumen – wir können von der digitalen schnell wieder in die analoge Realität wechseln oder in beiden parallel verweilen. «We have always been cyborgs», formulierte es Stefan Lorenz Sorgner in seinem gleichnamigen Buch, das 2021 erschien. Damit trifft er einen Nerv, wenn wir darüber nachdenken, wie schnell wir nach unserem Smartphone greifen, wie oft es unser Fenster in die Aussenwelt ist, die Verlängerung unserer Sinne. Realitäten verschmelzen miteinander, lassen sich gar nicht so leicht voneinander trennen.
Virtuelle Räume können aber auch Projektions-fläche, eskapistischer Ort sein, wie es in vielen Videospielen der Fall ist. Wir erkunden deren Landschaften als Avatare und gestalten sie gleichzeitig unseren Wünschen entsprechend. Wir statten sie mit Eigenschaften aus, die den unseren ähneln oder die wir gerne hätten. Ein Rollenspiel, das mit der binären Geschlechterordnung bricht, mit starren Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit, von normierten Körpern. Und dennoch sind auch diese Räume von gesellschaftspolitischen Verhältnissen durchdrungen; sie sind ihr Spiegelbild. Denn die Entwicklung dieser Spiele wird von den vorherrschenden Normen geprägt, die nicht selten rassistisch und patriarchal sind. Denken wir an jene Algorithmen, die in Videospielen die Gesichter der Spielerinnen und Spieler scannen und dabei stereotype Abbildungen von People of Color entstehen lassen. Und führen wir uns diese Wechselwirkung vor Augen: Wie sehr ist unser Leben tatsächlich «veränderbar», wie der Ausstellungstitel ‹Mutable Life› suggeriert, wenn wir in virtuellen Realitäten verweilen?

Until 
13.05.2022
Institutionen Country City
kunstkasten Switzerland Winterthur
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Johanna Müller — mutable life 04.03.2022 to 13.05.2022 Exhibition Winterthur
Schweiz
CH

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