Rutherfoord & Schmidt — Vor dem Fenster läuft ein Film

Miriam Rutherfoord & Joke Schmidt · Three Crows, 2022, Ausstellungsansicht Kunsthalle Winterthur

Miriam Rutherfoord & Joke Schmidt · Three Crows, 2022, Ausstellungsansicht Kunsthalle Winterthur

Miriam Rutherfoord & Joke Schmidt · From Our Window, 2022, Ausstellungsansicht Kunsthalle ­Winterthur, 2022

Miriam Rutherfoord & Joke Schmidt · From Our Window, 2022, Ausstellungsansicht Kunsthalle ­Winterthur, 2022

Besprechung

Die Welt da draussen wird für uns abgebildet, in Film und Fotografie. Wie wird unser Blick durch die jeweiligen Aufnahmen gelenkt? Dieser Frage widmen sich Miriam Rutherfoord und Joke Schmidt in ihrer Ausstellung ‹A Take on Perception› in der Kunsthalle Winterthur.

Rutherfoord & Schmidt — Vor dem Fenster läuft ein Film

Winterthur — Mit Schnee bedeckte Äste; ein Fahrradfahrer an der Ampel wartet auf das grüne Licht; zwitschernde Vögel in der frühlingshaften Sonne. Während eines Jahrs haben Miriam Rutherfoord und Joke Schmidt die Ereignisse vor dem Fenster ihres Ateliers gefilmt. Am Zürcher Hardplatz gibt es den Blick auf befahrene Strassen frei, auf belebte Baustellen, auf Menschen, die warten oder in schnellen Schritten vorbeieilen. Diese Szenerien hielten die Künstlerinnen in ihrer Videoarbeit ‹From Our Window› fest, die aktuell auf einer raumgreifenden Leinwand in der Kunsthalle zu sehen ist. Manchmal sind die Aufnahmen statisch, dann wieder unscharf oder etwas wackelig, weil die Kamera justiert wird, weil doch ein anderer Ausschnitt her musste. Gelegentlich ist das Rauschen des Mikrofons zu hören, die Stimmen der Künstlerinnen aus dem Off; sie unterhalten sich über Privates, über ihre Arbeit, über das, was sie gerade sehen. Auf diese Art und Weise legen Miriam Rutherfoord und Joke Schmidt den Prozess ihrer Bildsuche und -findung offen; wie gewisse Ausschnitte gewählt, während andere aussen vor gelassen werden. Ein subjektiver Akt, der unsere Blicke nun über die Leinwand lenkt.
Die Videoarbeit wird im nächsten Raum durch die fotografische Serie ‹Three Crows› ergänzt. Auf den Fotografien werden jene Krähen porträtiert, die in der Nähe des Ateliers leben, Protagonistinnen einer Geschichte und aufmerksame Beobachterinnen zugleich. Auf einigen Aufnahmen scheinen sie die Blicke von Miriam Ru­therfoord und Joke Schmidt zu erwidern, posieren stolz, um sich in ihrem eleganten Federkleid ablichten zu lassen. Auf anderen huschen sie als schwarzer Fleck durch das Bild, als ob sie sich entziehen wollten. Die Ausstellung ‹A Take on Perception› changiert um Fragen der Wahrnehmung, ums Beobachten und Beobachtetwerden. Manchmal erscheint die Szenerie vor dem Fenster bekannt, nicht weiter bemerkenswert, als hinge sie dort flach wie ein Plakat, wie es Sylvia Plath in ihrem Roman ‹Die Glasglocke› einst formulierte. Doch gelegentlich vibriert und leuchtet die Kulisse, hypnotisiert und zieht uns in Bann. Dabei spielt auch das Vergehen der Zeit eine Rolle: In einigen Szenen vergeht sie so langsam, dass jede Sekunde in unseren Ohren widerhallt. In anderen rauschen die Jahreszeiten an uns vorbei, wie sie es auf der Leinwand in der Kunsthalle tun. In schnellen abgehackten Sprüngen, obwohl doch gerade erst noch Winter war. 

Until 
15.05.2022

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