Verena Loewensberg / Geraldo de Barros — Konstruktivismus

Verena Loewensberg · Serie no 391 bis no 410, Ohne Titel, 1974/75, Öl auf Leinwand, je 120 x 80 cm. Foto: Annick Wetter

Verena Loewensberg · Serie no 391 bis no 410, Ohne Titel, 1974/75, Öl auf Leinwand, je 120 x 80 cm. Foto: Annick Wetter

Geraldo de Barros · Möbel aus dem Kollektiv Unilabor. Foto: Annick Wetter

Geraldo de Barros · Möbel aus dem Kollektiv Unilabor. Foto: Annick Wetter

Besprechung

Das MAMCO zeigt über drei Stockwerke Ausstellungen, die sich der konstruktiven Kunst und der Behandlung ihrer Urform – des Quadrates –widmen. Einen Höhepunkt bildet die Ausstellung von Verena Loewensbergs Spätwerk. Spannend ist auch die Entdeckung des brasilianischen Künstlers Geraldo de Barros.

Verena Loewensberg / Geraldo de Barros — Konstruktivismus

Genf — Im Jahr 1984 – zwei Jahre vor ihrem Tod – beginnt Verena Loewensberg (1912–1986) einen grossen Werkzyklus, der mit dreissig Arbeiten ihr umfangreichster werden sollte. Die Basis der einzelnen Bilder bildet das aus dem Quadrat entwickelte unregelmässige Vieleck auf quadratischem Grund im Format von 100 x 100 Zentimetern. Der Zyklus erscheint fast ausschliesslich zweifarbig. In der konsequenten Formulierung von Intension und Extension sowie in der wechselnden Nuancierung des Farbklangs bildet er den reifen Schlusspunkt von Loewensbergs Lebenswerk.
Die Genfer Schau zu Verena Loewensberg – sie war in der Westschweiz nicht sehr oft präsent – widmet sich dem späten Schaffen ab den 1960er-Jahren, als weiche und runde Formen, Pastelltöne, aber auch die hell leuchtenden Grundfarben von Colorfield Painting, Pop- und Minimal-Art ihr Werk bestimmten. Zu sehen ist zudem ein Zyklus von 21 hochformatigen Bildern, in denen sie Streifen horizontal in einer fein rhythmisierten Bildaufteilung übereinander anordnete. Die Tonwertpalette kreist um die Farben des Himmels und versetzt den ganzen Raum in eine poetische Schwingung. Das Helle und Lichte im späten Werk von Verena Loewensberg ist über die verschiedenen Räume hinweg auch durch die Musik verbunden. Und eine Wurlitzer-Jukebox erinnert daran, dass die leidenschaftliche Jazzliebhaberin in den 1960ern in Zürich einen Plattenladen namens City-Discount betrieben hatte.
Die vier aktuellen Ausstellungen im MAMCO, ‹Séquence de Printemps›, stehen alle im Zeichen der Auseinandersetzung mit dem Quadrat und dem konstruktivistischen Raster, so auch diejenige von Geraldo de Barros (1923–1998). Der Maler, Fotograf und Designer gilt als Pionier der brasilianischen konkreten Kunst. Sein Nachlass befindet sich in Genf und wird von seiner in der Stadt lebenden Tochter betreut. Bekannt wurde er durch die abstrakte Serie ‹Fotoforma›, die er 1951 im Museum für Moderne Kunst in São Paulo ausstellte und die ihm ein Stipendium für eine Europareise einbrachte. Er lernte daraufhin Max Bill und François Morellet kennen und gründete nach seiner Rückkehr nach Brasilien die Grupo Ruptura mit, welche die brasilianische Kunst mit der Modernisierung des Landes in Einklang bringen wollte. Gleichzeitig führte sein Interesse an angewandter Kunst 1954 zu Unilabor, einer utopischen Genossenschaft für den Bau moderner Möbel. Die Schau blickt auf diesen Werdegang zurück, zeigt seine Rückkehr zur konkreten Kunst in den späten 1970er-Jahren, als er sich neuen Materialien wie Resopal zuwandte, in Dialog mit seinen Möbeln. 

Until 
19.06.2022
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Verena Loewensberg 23.02.2022 to 19.06.2022 Exhibition Genève
Schweiz
CH
Geraldo de Barros 23.02.2022 to 19.06.2022 Exhibition Genève
Schweiz
CH

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