Michael Bodenmann und Barbara Signer

Barbara Signer und Michael Bodenmann · el gato muerto, 2020, Ausstellungsansicht Nextex St. Gallen. Foto: Flavio Karrer

Barbara Signer und Michael Bodenmann · el gato muerto, 2020, Ausstellungsansicht Nextex St. Gallen. Foto: Flavio Karrer

Barbara Signer und Michael Bodenmann · Work Life Balance, 2020, Ausstellungsansicht Nextex St. Gallen. Fotos: Flavio Karrer

Barbara Signer und Michael Bodenmann · Work Life Balance, 2020, Ausstellungsansicht Nextex St. Gallen. Fotos: Flavio Karrer

Hinweis

Michael Bodenmann und Barbara Signer

St.Gallen — Transformation kommt in verschiedenen Stadien, zu unterschiedlichen Zeiten, wird suggeriert durch Medien, Einsichten, Visionen, Personen, Maskierungen und Bekleidung. Veränderte Bewusstseinszustände oder zumindest ein im Ansatz andersartiger Zugang zum Selbst und zur Umwelt gehen nicht selten mit dem Wunsch einher das Potenzial der eigenen Entfaltung auszuschöpfen. Oft geht es dabei nicht nur um einen individuellen Kraftakt, sondern auch um eine wirtschaftliche Ausschlachtung, an der Konzerne und Industrien beteiligt sind, die dabei keine Kosten für Werbemittel scheuen. Die Ausstellung von Michael Bodenmann und Barbara Signer im Nextex St.Gallen heisst ‹Work Life Balance› und handelt stellenweise narrativ und partizipatorisch von besagten Zuständen und Mechanismen. 
Die Schau ist zweigeteilt. Die fiktive Bar ‹el gato muerto› ist einer Zeitkapsel gleich ein dichtes Sammelsurium an Memorabilia aus dem gemeinsamen Lebens- und Reisefundus der beiden Kunstschaffenden. Das überbordende Referenzmaterial und die durch die räumliche Enge entstehende Intimität sind zudem eine Hommage an die Golden Gai Bars im Tokioter Stadtteil Shinjuku,  deren Charme der Nachkriegszeit oft in zeitgenössischen Metropolen verloren geht. Die Bar funktioniert hier als kleine Produktionseinheit für Erlebnisse und soziale Begegnungen. Der Gast agiert dabei als Zuschauer, Akteur, Produzent und Konsument zugleich. «Work», «Life», Begriffe, deren Abgrenzung in unserer Gesellschaft immer mehr verschwimmt, haben in den japanischen Bars vielleicht noch eine klarere Funktion. «Salarymen», die nach einem langen Arbeitstag noch eine lange Nacht in Bars anhängen, gehören zum Stadtbild von Tokyo. 
Wähnt man sich eben noch eng nebeneinander gedrängt in beschwingter Trink- und Raucherstimmung in besagter Bar, ist man im zweiten Teil der Ausstellung in atmosphärisches Licht getaucht. Hier taumelt man von einem Leuchtschild zum Nächsten, in grünes, blaues, rotes oder violettes Licht getaucht. Die Indizien von durchlebter Zeit, die in den Schildern eingefroren sind, entpuppen sich bei näherem Betrachten als verschwommene Überreste von Zigarettenpackungen oder als lose Tickets, die rückseitig auf das Plexiglas gedruckt sind. In diesem trippigen Szenario scheint die Zeit wie dichter Nebel irgendwo zwischen den Aluminiumschichten der amöbenförmigen Mirror/Ponds Güsse gefangen. 
Es ist die Zeit zwischen der Dämmerung und dem Morgengrauen, in der sich die Transformation aus einer Mischung aus Wunschvorstellung, Zauberei und Desillusion zusammenbraut. Ist der liegen gelassene Schlüsselbund auf der übergrossen Treppe – ‹Towards the Unknown› – , eine Metapher für den Sprung ins Ungewisse oder doch eher ein Hinweis auf das Missgeschick einer durchzechten Nacht? 

Until 
18.06.2020

→ Nextex, jeweils Donnerstag und Samstag, 20–22 Uhr, bis 18.6. ↗ www.nextex.ch

Institutionensort descending Country City
AUTO ex NEXTEX Switzerland St. Gallen
Exhibitions/Newsticker Datesort ascending Type City Country
Work Life Balance 14.05.2020 to 20.06.2020 Exhibition St. Gallen
Schweiz
CH

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