Énergie animale

Hugo Laubi · Esso ­Motor Oil, 1948, Museum für Gestaltung Zürich, Courtesy Bettina Laubi

Hugo Laubi · Esso ­Motor Oil, 1948, Museum für Gestaltung Zürich, Courtesy Bettina Laubi

Ernst Ludwig Kirchner/Lise Guyer · Chaiselonguedecke, Alpaufzug, 1926, Museum für Gestaltung Zürich/ZHdK. Foto: U. Romito, I. Suta

Ernst Ludwig Kirchner/Lise Guyer · Chaiselonguedecke, Alpaufzug, 1926, Museum für Gestaltung Zürich/ZHdK. Foto: U. Romito, I. Suta

Hinweis

Énergie animale

Zürich — Im Schnitt verzehrt der Mensch im ­Leben 1188 Tiere, und 80 Prozent der Meeressäuger sind ausgerottet. Zu Beginn der Ausstellung im Museum für Gestaltung begegnet uns eine riesige, dekonstruierte Holzarche mit ausgestopften, auch raren Tieren wie dem Eisvogel oder einem Fasan. ‹Wer darf auf die Arche› ist denn auch einer von sieben Ausstellungsbereichen, welche die Rolle des Tiers als Nutz- und Haustier, das Machtgefälle zwischen Tier und Mensch thematisieren und an den Artenschutz mahnen. An 600 Exponaten, teils aus der Sammlung des Museums, teils durch hochkarätige Leihgaben und mit künstlerischen Positionen ergänzt, wird vor allem auch die unerschöpfliche ‹Énergie animale› als Inspiration für Gestalter sichtbar. Die ästhetischen Umweltschutzplakate des japanischen Grafikers Kazumasa Nagai geben die Fragilität eines Hasen wieder, während der Zürcher Hugo Laubi Werbung des Mineralölkonzerns Esso mit einem kraftvollen Pferd illustrierte.
Eine Schiffertafel, auf die man kritische Bemerkungen notiert, oder auch die Hands-on-Sammlung des Materialarchivs der ZHdK mit diversen tierischen Materialien wie einem Marderfell oder einem Hemd aus Hanf gestalten die Ausstellung interaktiv und sinnlich erfahrbar. ­Videoarbeiten von Studierenden der ZHdK zeichnen im Ausstellungskapitel ‹Sorry, das ist der Platz vom Pascha!› mit leuchtenden Botschaften wie «Petfluencing changes human funds» den Trend zur Aufwertung des geliebten Haustiers als Familienmitglied nach. Immer wieder ergeben sich überraschende Bezüge. Die Fasanfedern finden sich an zierlichen Hüten aus den Zwanzigerjahren, während im Kapitel ‹Klebt auch kein Blut an dieser Wolle› auch zahlreiche heutige Designerstücke aus exotischem Material ausgestellt werden. Madame Tricots ausgefallene Strickkunst – in Form von sonst verderblichen Lebensmitteln wie Würsten oder Schweinsschwänzen – quillt aus einem Kühlschrank. Alsbald treten andere Tiermotive in ‹Welch eine tierliche Zierde› in Verbindung zueinander: Der Jugendstil dekorierte Vasen und Textilien mit Vögeln, Ernst Ludwig Kirchners Chaiselonguedecke mit volkstümlichen Elementen korrespondiert mit dem Alpaufzug auf einem bemalten Appenzeller Bauernbett. Die Schaukelschnecke von Antonio Vitali lässt Kindheitserinnerungen aufblühen, und man bestaunt die Insektenvarianten auf den Schals von Fabric Frontline. Solch eine Menagerie und tierische Formenvielfalt bezeugt auch ausdrucksstarkes Schweizer Design.

Until 
25.10.2020
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Énergie animale 14.02.2020 to 25.10.2020 Exhibition Zürich
Schweiz
CH

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