Groups and Spots — Zeitgenössische Kunst bei der Baloise

Ulla von Brandenburg · Mary, 2018, Wasserfarbe auf Gesso auf Holz, 139,8 x 110 cm, Sammlung ­Baloise Group, Courtesy Pilar Corrias Gallery. Foto: Andrea Rossetti

Ulla von Brandenburg · Mary, 2018, Wasserfarbe auf Gesso auf Holz, 139,8 x 110 cm, Sammlung ­Baloise Group, Courtesy Pilar Corrias Gallery. Foto: Andrea Rossetti

Besprechung

Im Museum Franz Gertsch werden erstmals 300 Werke aus der Sammlung der Baloise Group gezeigt. Die Schau erweist sich als eine etwas kleinteilige, aber dennoch geschlossene ­Präsentation einer reichen Firmensammlung von vornehmlich Fotoarbeiten und Werken auf Papier.

Groups and Spots — Zeitgenössische Kunst bei der Baloise

Burgdorf — Vielen ist der Kunstpreis der Baloise bekannt, der jeweils im Rahmen der Art Basel verliehen wird. Nun illustriert eine Ausstellung mit Werken aus der Firmensammlung, wie eng diese mit der Geschichte des Basler Versicherungskonzerns verbunden ist. Den Auftakt bilden Fotos von Candida Höfer (*1944) aus dem ehemaligen Baloise-Personalrestaurant, den Abschluss die Abbildungen der drei Grundsteine von Karsten Födinger (*1978) für den Neubau von 2020 in Basel. Das Scharnier der Schau ist der Saal Nr. 3 im Untergeschoss des Museums Franz Gertsch mit lauter Werken, die sich mit dem Unternehmen beschäftigen. Peter Pillers (*1968) ironische Fotoserie ‹nimmt Schaden› zum Beispiel zeigt vordergründig triviale Schadenfälle und stammt aus dem Firmenarchiv. In diesem zentralen Raum finden Fotografien und Papierarbeiten zusammen, also Werke aus den beiden Bereichen, auf welche die Sammlungstätigkeit seit den 1980ern fokussiert und die in den beiden angrenzenden Räumen separat präsentiert werden. Oft wurden ganze Werkgruppen erworben, was in der Schau spannende Vertiefungen und markante Konstellationen ermöglicht.
In Raum 2 hängt etwa die eindringliche Textarbeit des Schotten Ross Sinclair (*1966) ‹Real Life. Geography›, 2001. Sie kann als Aufforderung gelesen werden, alles Nationale abzulegen: Er formuliert zehn Gebote von «1. Burn your Passport» über «5. Explode Borders» bis «10. Secede». Dabei gerät ein Porträt von Thomas Ruff (*1958) mit ins Blickfeld. Diesem hingegen scheint jede aktivistische Energie oder Individualität ausgetrieben. Es gleicht einem Passfoto mit Aktenvermerk und lässt einen leer schlucken. In Saal 4 sind über Eck die feinen Aquarellserien von Amelie von Wulffen (*1966) und Ulla von Brandenburg (*1974) zu sehen. Von Wulffens nur vordergründig naiv-bunte Szenen mit zum Leben erwachten Früchten treffen auf die farb­intensiven Blätter von Brandenburgs. Deren Motive, etwa das Mädchen mit Tanzbär, spiegeln komplexe Themen und bildnerische Vorhaben wie die Darstellung von Bewegung und Transformation oder spielen mit malerischem Zufall. Zugleich bezeugen sie das Interesse an Karneval, Psychologie, Spiritismus und starken Frauenfiguren.
Solche Bezüge und Widersprüche lassen sich in vielen Gruppen ausmachen, wenn man sich bewusst Ausschnitte der mit dreihundert oft kleinformatigen Werken bestückten Schau vornimmt. Der jüngst erschienene Katalog ‹Ins Licht gerückt› ergänzt den Einblick in die vielfältige Sammlung zudem auf sinnvolle Weise.

Until 
29.08.2021

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