La collezione Thomas Walther

Gertrud Arndt · o. T., 1929–30, Gelatinedruck mit Silbersalz © ProLitteris, Thomas Walther Collection, Courtesy MoMA, NY/Scala, Florenz

Gertrud Arndt · o. T., 1929–30, Gelatinedruck mit Silbersalz © ProLitteris, Thomas Walther Collection, Courtesy MoMA, NY/Scala, Florenz

Kate Steinitz · Backstroke, 1930, Thomas Walther Collection, Courtesy Steinitz Family Art Collection, MoMA, NY/Scala, Florenz

Kate Steinitz · Backstroke, 1930, Thomas Walther Collection, Courtesy Steinitz Family Art Collection, MoMA, NY/Scala, Florenz

Hinweis

La collezione Thomas Walther

Lugano — Privatsammlungen können ein Glückstreffer sein für die Museen, vor allem wenn die Mittel für eigene kunsthistorische Forschung knapp sind: So zeigt das MASI ­Lugano das erste Mal in Europa die hochkarätige Sammlung Thomas Walther, aus der das MoMA New York 2001 die stolze Anzahl von 341 und 2017 weitere 42 experimentelle Fotogra­fien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erstanden hat. Tobia Bezzola, der Direktor des MASI, erläutert im Katalog, dass sich Privatsammlungen «Originalität, eine autonome Definition von Strenge und Kohärenz leisten könnten, während institutionelle Sammlungen eine verblichene Kopie der konventionellen Matrix» seien. Ob sein Verdikt in dieser Allgemeinheit und auf die öffentliche Hand zutrifft, lässt sich diskutieren, aber für die Walther Collection stimmt es zweifelsohne. Die Differenziertheit der Werke und deren hoher Grad an formaler Experimentierfreudigkeit, Reinheit und Spannung zeigen die fundamentale Avantgarderolle der Fotografie in der Zwischenkriegszeit auf, von Dada zu Bauhaus, vom Surrealismus zur neuen Sachlichkeit. Beim Betrachten der 200 auf grünen Wänden gehängten Schwarz-Weiss-Fotografien fällt auf, dass ein relativ grosser Anteil, nämlich etwa ein Fünftel der Werke, von Frauenhand geschaffen wurde. Gertrud Arndt verewigt 1929/30 die Maler in der Meisterklasse des Bauhauses während ihrer Arbeit aus einer schwindelerregenden Froschperspektive. Die Fotografin Florence Henri rückte 1927 Lucia Moholy so nah, dass sie deren skulpturale und grafische Wirkung durch den Schwarz-Weiss-Kontrast stark forciert. Aenne Biermann stellt ihren ‹Ficus elastica› 1926 in organisch-abstrakter Form dar. Zum Grossstadtthema äussern sich sowohl Lee Miller (1929–32) als auch Germaine Krull (1927/28) in ihren Bildern ‹ohne Titel›: Gegenlichtaufnahmen, in denen sich die Strukturen der Eisenarchitektur vom hellen Himmel deutlich absetzen. Die beiden Mädchen, abgelichtet von Kate Steinitz 1930, die im Rückenschwumm durch das Wasser gleiten, strotzen von Kraft und Sinnlichkeit, genauso wie die liegende Figur mit wallenden Haaren, die Cami Stone in ihrer ‹Aktstudie›, 1932, so ablichtet, dass die verschwommenen Brüste wie Hügel einer weitläufigen Landschaft wirken. Die herausragende Sammlung kann übrigens auch vom Sofa aus studiert werden: Im gepflegten Katalog zur Ausstellung oder auf der MoMA-Website ‹Object: Photo›, die mit interaktiven Grafiken Aufschluss über Lebenszusammenhänge, Ausstellungen und Orte der vertretenen Fotograf/innen vermittelt. 

Until 
01.08.2021

→ MASI, bis 1.8.; Katalog: ‹Capolavori della fotografia moderna 1900–1940. La collezione Thomas Walther del Museum of Modern Art, New York› ↗ www.masilugano.ch

Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Meisterwerke der modernen Fotografie 1900-1940 25.04.2021 to 01.08.2021 Exhibition Lugano
Schweiz
CH
Artist(s)
Gertrud Arndt
Author(s)
Barbara Fässler

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