Let’s Talk about Mountains

Der Gipfel des Peaktusan mit Stele, Courtesy Alpines Museum der Schweiz. Foto: Gian Suhner

Der Gipfel des Peaktusan mit Stele, Courtesy Alpines Museum der Schweiz. Foto: Gian Suhner

Wandergruppe auf dem Kumgangsan, Courtesy Alpines Museum der Schweiz. Foto: Katharina Schelling

Wandergruppe auf dem Kumgangsan, Courtesy Alpines Museum der Schweiz. Foto: Katharina Schelling

Hinweis

Let’s Talk about Mountains

Bern — Wer am Helvetiaplatz in Bern aus dem Tram steigt, hört schon von Ferne Marschmusik und Gesang und steht alsbald vor dem Alpinen Museum, über dessen Eingang ein leicht scheppernder Lautsprecher die Besucher auf ‹Let’s Talk about Mountains› einstimmt. Gesprochen wird über die Berge und das Land Nordkorea, das ein Filmteam des Museums vor gut zwei Jahren bereisen konnte. Gezeigt wird ein behutsames Porträt des streng abgeschlossenen Staates mit berückend schönen Landschaften. Zum Eintritt gibt es ein rotes Ehrenabzeichen in Form eines quadratischen Pins. Rot bleibt die dominierende Farbe der Möblierung, die Wände sind schwarz, der Boden wurde grauen Steinplatten nachempfunden.
Die Berge begegnen uns als wandfüllendes Gemälde an einer Bushaltestelle in der Drei-Millionen-Metropole Pjöngjang oder in der Erzählung einer Lehrerin im Morangbong-Park, die sich wie eine im Flachland gestrandete Berglerin nach ihrem Geburtsort zurücksehnt. Sie sind Kulisse eines Ausflugs einer Arbeitsbrigade mit flatternder roter Fahne auf den Paek­tusan im Changai-Gebirge oder einer Gruppe Wanderer, die ihren Aufstieg auf den Kumgangsan feiert. Man habe keine Berge gesehen, wenn man den Kumgangsan nicht gesehen habe, wird mehrfach versichert. Mun Jon-un malt Berge und benötigt dafür nur «Wasser, Berge, blühende Blumen». Kunst ist staatlich gelenkt, vom grossen Mansudae Art Studio bis zur Kunstgalerie. Schule ist politische Vorbereitung auf das Leben. Die ansteckende Begeisterung der Nordkoreaner für ihre Berge kommt dennoch von Herzen. Die langsamen Bilder und die präzise, über individuelle Kopfhörer abrufbare Tonspur lassen einen tief in die Erzählungen eintauchen. Einmal surrt eine Fliege derart nah am Ohr, dass man versucht ist, sie mit einer Handbewegung zu verscheuchen.
Kinder erfahren auf einer auch für Erwachsene informativen Tonspur einiges über das Leben in Nordkorea. Hier erzählen nicht Menschen, sondern Dinge über sich und das Land. So beklagt sich etwa das zur Schuluniform gehörende rote Tuch bitterlich, es sei vor dem roten Möbel gar nicht sichtbar.
Der letzte Raum ist dann gleissend hell, man wird regelrecht ans Licht gezerrt und ist sich im ersten Moment gar nicht so sicher, ob man das wirklich will. Bereitgelegte Formulare laden zum Schreiben ein; Fragen und Kommentare werden regelmässig veröffentlich und diskutiert. Die Ausstellung fordert Zeit ein, sie sollte ihr vorurteilsfrei gegeben werden.

Until 
03.07.2022
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Grenzgänge — Nord- und südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg 30.04.2021 to 05.09.2021 Exhibition Bern
Schweiz
CH
Let's talk about mountains 20.02.2021 to 03.07.2022 Exhibition Bern
Schweiz
CH
Author(s)
Thomas Schlup

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