Natacha Donzé

Natacha Donzé · Festins, 2021, Ausstellungsansicht Musée des Beaux-Arts La Chaux-de-Fonds. Foto: Julien Gremaud

Natacha Donzé · Festins, 2021, Ausstellungsansicht Musée des Beaux-Arts La Chaux-de-Fonds. Foto: Julien Gremaud

Natacha Donzé · Festins, 2021, Ausstellungsansicht Musée des Beaux-Arts La Chaux-de-Fonds. Foto: Julien Gremaud

Natacha Donzé · Festins, 2021, Ausstellungsansicht Musée des Beaux-Arts La Chaux-de-Fonds. Foto: Julien Gremaud

Hinweis

Natacha Donzé

La Chaux-de-Fonds — Natacha Donzé (*1991) wirkt im Musée des Beaux-Arts La Chaux-de-Fonds im Rahmen ihrer Ausstellung ‹Festins› als Zeremonienmeisterin an der Schwelle zwischen anthropozäner Endzeit und posthumanem Leben. Der Direktor David Lemaire hat die bereits mehrfach ausgezeichnete Malerin zu ihrer ersten Museumssoloschau eingeladen und begleitet diese nicht nur durch einen Ausstellungskatalog, sondern auch durch eine Sammlungsaccrochage. In den Vorräumen der Intervention finden sich Gemälde, die sich einerseits mit dem Raster als Inbegriff abstrakter Malerei und andererseits mehr oder weniger realistisch mit diversen Formen von Innenleben auseinandersetzen. Natacha Donzé könnte tatsächlich das Ende des postmodernen Bilderstreits durch eine virtuose Verbindung heterogener Universen nicht deutlicher markieren.
So erweist sich das langgestreckte Eingangsbild im Vorzimmer als Trompe-l’Œil aus der Vogelperspektive und zeigt die Reste eines Letzten Abendmahls, das wie bei vielen Altmeistern an einem mit Silber gedeckten und pflanzenbeschmückten Tisch stattfand. Die Teilnehmenden wurden jedoch offenbar mittendrin durch das Einbrechen einer glühenderen, gleissenderen Realität wie in einer Science-Fiction-Szene just längs des Tischläufers umgehauen. Überall ist ein Hitzekollaps spürbar. So auch in einem raumteilenden Diptychon in minimalistischer Formensprache, das eine glimmende Front aus Plexiglasmodulen darstellen könnte. Mehr und mehr sind Fliegen die Hauptdarstellenden. Larven und Puppen tauchen bereits auf den Rändern kleinerer Gemälde auf, die von der Hitze verfärbt sind oder schon entflammt scheinen. Im daran anschliessenden, in ein oranges Licht getauchten Riesensaal sind die inzwischen geflügelten Insekten schier überall präsent, notabene auf einem Polyptychon, das Solarzellen oder Schaltsysteme evoziern könnte.
Vor diesem höllisch surrenden Bilderzyklus fragt man sich unweigerlich, ob ­zukünftige Technologien, die als Patentlösung gegen die Klimakatastrophe angekündigt werden, den Überkonsum der Ressourcen nicht noch fataler anheizen werden. Man beginnt vielleicht auch zu erwägen, wie man bei einer solchen Flucht nach vorn weiterexistieren kann, ob nun Apokalyptisches näher oder ferner rücken mag. David Lemaire zitiert in diesem Zusammenhang im Ausstellungskatalog aus ‹À nos amis›, 2014, des anonymen Autorenkollektivs Comité invisible: «Die Aufzehrung der natürlichen Ressourcen ist vielleicht weniger weit fortgeschritten als die Aufzehrung der subjektiven Ressourcen, der vitalen Ressourcen …» Die sich mit aktuellen Grundproblemen beschäftigende Malerei von Natacha Donzé schafft solche.

Until 
29.08.2021
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Natacha Donzé —Festins 16.05.2021 to 29.08.2021 Exhibition La Chaux-de-Fonds
Schweiz
CH

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