Davor, Darin, Danach — Eine Sammlung im Wandel

John Armleder · Staz, 2012 Mischtechnik auf Leinwand, 275 x 275 cm; Mai-Thu Perret, Little Planetary Harmony, 2006, Aluminium, Holz, Trockenmauer, Latex-Wandfarbe, Neonbeleuchtung, Acryl auf Sperrholz, 353 x 665 x 365 cm, Ausstellungsansicht Aargauer Kunsthaus, Aarau. Foto: Ullmann

John Armleder · Staz, 2012 Mischtechnik auf Leinwand, 275 x 275 cm; Mai-Thu Perret, Little Planetary Harmony, 2006, Aluminium, Holz, Trockenmauer, Latex-Wandfarbe, Neonbeleuchtung, Acryl auf Sperrholz, 353 x 665 x 365 cm, Ausstellungsansicht Aargauer Kunsthaus, Aarau. Foto: Ullmann

Alex Hanimann · Ohne Titel, 1999/2022, Dispersionsfarbe auf Wand, Masse variabel, Aargauer Kunsthaus, Aarau © ProLitteris. Foto: Ullmann

Alex Hanimann · Ohne Titel, 1999/2022, Dispersionsfarbe auf Wand, Masse variabel, Aargauer Kunsthaus, Aarau © ProLitteris. Foto: Ullmann

Besprechung

Die Sonderausstellung im Aargauer Kunsthaus bietet einen lustvollen, pointierten Streifzug durch zeitgenössische Werke Schweizer Kunst von 65 Kunstschaffenden. In drei Kapiteln werden überraschende Erzählbögen gespannt und das Raum-Zeitgefüge befragt.

Davor, Darin, Danach — Eine Sammlung im Wandel

Aarau — Das Aargauer Kunsthaus hat immer zeitgenössisch gesammelt, wie die Kuratorin Katrin Weilenmann betont. Die aktuelle Schau richtet ihren Fokus auf die eigenen, über die Zeit zusammengetragenen Bestände und bietet so einen Einblick in die umfassendste öffentliche Sammlung Schweizer Kunst. Der Titel ‹Davor, Darin, Danach› verspricht ein Kapitel pro Etage. Wie stellt man sich diesen Erzählbogen vor?
Im Untergeschoss wird beinahe leitmotivisch ein melancholischer Blick zurückgeworfen: Ugo Rondinone visualisiert in ‹Diary of Clouds› den Versuch, eine flüchtige Wolke in 64 Plastikformationen aus Wachs zu bannen. Auf kollektive Erinnerungen verweist Marc Bauer in seiner vielschichtigen Arbeit ‹Sphinx, 1931, 1935/1947› mit Bezug auf den Aargauer Künstler Karl Ballmer (1891–1958), dessen Werke als «entartete Kunst» dem NS-Regime zum Opfer fielen. Julian Charrière nähert sich mit seiner Videoinstallation ‹Towards No Earthly Pole› der Vergänglichkeit der Antarktis an, während der von Valérie Favre erstmals gezeigte Bildzyklus ‹Selbstmord›, basierend auf Vorlagen aus Kunst und Literatur, ganz auf Selbstbestimmung fokussiert.
Die Gegenwart wird im Erdgeschoss verhandelt: In Shirana Shahbazis umfassendem Arrangement ‹Untitled II-2012› überlagern sich Bildräume in analogen Fotografien. Dem im Ausstellungstitel angekündigten «Darin» entspricht das Gefühl in der begehbaren Teekanne ‹Little Planetery Harmony› von Mai-Thu Perret. Auch räumlich erfahrbar ist die aus Aluminium und Holz konstruierte fragmentarische Behausung ‹The Dancer and the Dance›, die sich über eine quadratische Grundstruktur erstreckt, sowie die Intervention mit dem brachialen Wanddurchbruch ‹The Intelligence of Flowers› von Urs Fischer, die auf den totalen Durchblick in Architektur und Kunst setzt.
Wegweisend empfängt uns Miriam Cahns pulsierender ‹baum› des Lebens im lichtdurchfluteten Obergeschoss. Mit einem Augenzwinkern durchleuchtet Zilla Leutenegger in ‹Der Mann im Mond› Geschlechterkonstrukte, und Francisco Sierra setzt seinen fantastischen Kreaturen einen fotorealistisch gemalten Flughafen entgegen.
«Was wirklich oder was vorstellbar ist. Was möglich scheint. Was nicht vorhanden, unsicher oder unwahrscheinlich ist» fasst Alex Hanimann die Essenz dieses üppigen Rundgangs in seiner applizierten Textarbeit zusammen. 

Until 
07.08.2022

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