mist

Céline Kunz, Tina Maliakal und Salome Suter · Beetower, 2022, Wohneinheit für Wildbienen, Bauherr Martin Blum, Umsetzung Sumaku AG, Projekt ZHAW

Céline Kunz, Tina Maliakal und Salome Suter · Beetower, 2022, Wohneinheit für Wildbienen, Bauherr Martin Blum, Umsetzung Sumaku AG, Projekt ZHAW

Augustin Rebetez · Ohne Titel, 2022. Foto: Andre Springer

Augustin Rebetez · Ohne Titel, 2022. Foto: Andre Springer

Hinweis

mist

Samstagern — Ein Marienkäfer lässt sich auf den noch leeren Seiten des Notizbuches nieder, Libellen surren gewandt über den kleinen Teich am Fuss der ‹Froh Ussicht›, und am hochsommerlichen Himmel fliegt eine Motorlibelle der REGA Richtung Zürich. Während bierbeladene Menschenscharen sich an Flüssen und Seen mit allerlei Schwimm­utensilien aufs kühlende Nass begeben, liegen die ‹floating maniacs› von Olaf Breuning (*1970, Schaffhausen) still da. Zwei der drei Einhorn-Taucher-Paare ist trotz Flucht in den Schatten sogar schon die Luft ausgegangen. Beim kurzen Aufstieg zum Hof sollte man den Wegweiser von Dorota Gawęda (*1986, Polen) und Egle Kulbokaité (*1987, Litauen) mit Vorsicht genies­sen. «Where do prayers placed at crossroads go» ist hier die Frage; die drehbaren Kreuze spiegeln lediglich Buchstaben und führen einen wie im Nebel in die Irre. ‹Mist› hier im Sinne von feinem Dunst, der Landschaft verbirgt, Konturen verwischt und viele Sagen über abgelegene Höfe prägt. Der zweite solche Wegweiser steht oben beim Kirschgarten. ‹Mist› ist aber auch natürlicher Dünger, was hier auf dem aktiv bewirtschafteten Bauernhof von Martin Blum oberhalb von Samstagern eine zentrale Bedeutung erhält. «Mist ist des Bauern List» – und der Boden die Grundlage allen Schaffens. Wie aber gehen wir mit dieser für unsere Sesshaftigkeit so wichtigen Ressource um? Rufen wir Bodengötter an, wie sie Augustin Rebetez (*1986, Delémont) grossflächig malte? Und was geschieht mit dem Boden, wenn wir weiter so auf ihn einprügeln? Sein kläglicher Rest wird im Jahr 2077 in einer doppelt verglasten Museumsvitrine zu sehen sein, wie Studierende des Bachelorstudiengangs Umweltingenieurwesen der ZHAW aufzeigen. Und da pro Sekunde ein Quadratmeter Boden versiegelt wird, finden Wildbienen keine Bleibe mehr. Lösung: der ‹Beetower›, wie im Hofgarten vorgestellt. An zehn Stationen erzählen die während der Sommermonate in die öffentlich zugängliche Ausstellung eingebetteten Installationen Geschichten über den Boden und erforschen dabei auch neue Wege der Wissenschaftskommunikation. Möglich machte die Zusammenarbeit Monica Ursina Jäger, die sowohl an der ZHAW doziert als auch zwei eigene Werke in der Dauerausstellung verankert hat. – Ein geflügelter Schatten fällt auf die Buchstaben im Notizbuch. Er gehört zu einem prächtigen Rotmilan, der über dem stillen Land seine Runden dreht. 

Until 
30.10.2022

→ HofBlum, Froh Ussicht, bis 30.10.; Hofrundgänge: 28.8., 25.9. und 30.10.; Sommermonate: 10 Stationen aus dem Modul ‹Inszenierte Naturräume› des Bachelor-Studiengangs ‹Umweltingenieurwesen› der ZHAW, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen ↗ www.frohussicht.ch

Institutionen Country City
Froh Ussicht Switzerland Samstagern
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
mist — Zauber & Nährstoff 28.05.2022 to 30.10.2022 Exhibition Samstagern
Schweiz
CH
Artist(s)
Augustin Rebetez
Author(s)
Thomas Schlup

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