Open House — In räumlichen Kategorien denken

Ken Isaacs · Fun House, 2022. Foto: Annick Wetter

Ken Isaacs · Fun House, 2022. Foto: Annick Wetter

Besprechung

Das Projekt ‹Open House› präsentiert sich den ganzen Sommer über im Grossformat im Parc Lullin unweit von Genf in Genthod am Lac Léman: 37 Pavillons und Bauprototypen sind dort zu sehen und bringen die Konzepte von Utopie und Funktionalität durch Kunst und Architektur zusammen.

Open House — In räumlichen Kategorien denken

Genthod/Genf — Für Simon Lamunière, Kurator des Open House, hat dieses Projekt seine Wurzeln in einer noch grösseren Veranstaltung, der Art Basel, die er gut kennt. Er kuratierte zwischen 2000 und 2011 die Art Unlimited, den Sektor für monumentale Kunstwerke an der Art Basel: «Zu dieser Zeit begannen einige Entwicklungen in Kunst, Design und Architektur starke Konvergenzen zu zeigen. Ausstellungen wie Art Unlimited, Design Miami, die Kunst- und Architekturbiennalen oder die Serpentine Pavillions zeugten von einem Tätigkeitsfeld, das sich im Aufbruch befand. Nicht nur Künstler schufen bewohnbare Module, sondern auch Architekten entwarfen Skulpturen, und Designer dachten in räumlichen Kategorien.»
Experimentieren – in eine Vielzahl von Richtungen – scheint das Schlüsselwort von ‹Open House›: «Es gibt nicht nur eine Art, die Welt zu bewohnen oder ein Zuhause zu haben», sagt Lamunière. «Auch wenn man zuerst an eine schützende Hülle oder einen Unterschlupf denkt, ist das Wohnen viel mehr als das. Es kann sowohl einem Ideal als auch sozialen oder wirtschaftlichen Zwängen entsprechen. Die Ausstellung möchte dem Publikum die Möglichkeit geben, diese unterschiedlichen Bedürfnisse zu hinterfragen und so die Beziehung zwischen Form und Funktion räumlich zu erfahren.» Zeugen dieser Form-Funktions-Befragung sind historische Stücke wie der 1938 von Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret entwickelte Schutzraum, als ‹Refuge Tonneau› bezeichnet, welcher von der Genfer Kunstschule HEAD neu gebaut wurde, oder das ‹Fun House›, das der amerikanische Architekt Ken Isaacs im Rahmen seiner Recherchen über ‹Living Structures› in den 1970ern konzipiert hatte.
Architekt:innen, Forschende der EPFL und der ETH Zürich, aber auch Kunstschaffende sind hier zu Hause. Achtung! Den Blick ab und zu in die Baumkronen heben. Auf Ästen platziert, erinnern uns die versteckten Stühle des Genfer Künstlers John Armleder daran, dass das Feld des Wohnens unendlich ist. Die spielerische und utopische Seite darf uns nicht vergessen lassen, dass Wohnen für die meisten Menschen immer noch eine ernste Sache ist. Die Problematik der ‹Notunterkunft› wird hier durch einige Möglichkeiten der vorübergehenden Unterbringung repräsentiert, so wie sie von der humanitären Hilfe des UNHCR und des IKRK zur Verfügung gestellt werden. Könnte man sich eine Fortsetzung dieses Projekts und eine Biennale der offenen Türen vorstellen? Für Lamunière ist das durchaus denkbar: «Es eröffnen sich uns viele Möglichkeiten, dieses Thema weiter zu verfolgen.» 

Until 
28.08.2022

→ ‹Open House – Experiment The Habitat›, Parc Lullin, bis 28.8. ↗ www.openhouse2021.ch

Institutionen Country City
Open House Switzerland Genève
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Open House: Session IV – Experience 11.06.2022 to 27.08.2022 Festival Genthod
Schweiz
CH

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