Put on Your Red Shoes

Seline Baumgartner mit Gabriela Pereira und Reut Nahum · Apart From Us, 2022 Video-Installation

Seline Baumgartner mit Gabriela Pereira und Reut Nahum · Apart From Us, 2022 Video-Installation

Saskia Edens · Make-up, 2008, Video, 18’11’’, Sound: Daniel Buess

Saskia Edens · Make-up, 2008, Video, 18’11’’, Sound: Daniel Buess

Hinweis

Put on Your Red Shoes

Olten — Manchmal kann man einfach nicht stillsitzen. Wenn das Radio ein gewisses Lied spielt, wenn im Club ein bekannter Beat einsetzt, dann beginnt der Körper sich wie von selbst zu bewegen. Kennen Sie das auch? Dann sind Sie sicher geeignet, Mitglied von San Kellers ‹San Dance Company› zu werden. Seit 2004 verpflichtet der Zürcher Künstler (*1971) gewillte, tanzfreudige Individuen vertraglich dazu, bis ans Lebensende beim Erklingen eines selbst gewählten Songs stets das Tanzbein zu schwingen – egal, wo man sich grad befindet. Die bisher abgeschlossenen Vereinbarungen zieren im Eingangsbereich des Kunstmuseums Olten eine ganze Wand. Direkt daneben kann man auf einem Tanzteppich unter Videoanleitung eine eigens für die Schau entwickelte Choreografie der Oltener Tänzerin Ursula Berger einstudieren und den eigenen Auftritt nach Belieben filmisch dem Museum für einen späteren Clip zur Verfügung stellen. Der lustvolle Imperativ des Ausstellungstitels ist also ernst gemeint: ‹Put on Your Red Shoes (and Dance The Blues)!› Mit der Zeile aus David Bowies Hit ‹Let’s Dance› stellt das Haus gemeinsam mit Gastkuratorin Claudia Waldner künstlerische Arbeiten mit Verbindung zu Tanz und Bewegung ins Zentrum.
Die historische Dimension dieser fruchtbaren Gattungspaarung seit der Avantgarde wird dabei nur am Ende des Parcours angedeutet – etwa mit wunderbaren Originalplakaten von Otto Morach (1887–1973). Die Ausstellung setzt im Jetzt an und zeigt mit ganz unterschiedlichen Schweizer Positionen die ungezwungene Selbstverständlichkeit, mit der Kunstschaffende heute tänzerische Elemente – nebst vielen anderen – für ihr Schaffen nutzen. Leichtfüs­sigkeit ist dabei keineswegs garantiert, im Gegenteil: Nach dem erheiternden Auftakt werden im ersten Obergeschoss Walpurgisnacht und Spielarten des Totentanzes aufgeführt – zum Beispiel in der eindrücklichen Videoperformance ‹Make-up›, 2008, von Saskia Edens (*1975). Unter die Haut geht auch Seline Baumgartners (*1980) neuster Film ‹Apart from us›, 2022, in dem Erzählungen und Körpererinnerungen eines Opfers fürsorgerischer Zwangsmassnahmen tänzerisch umgesetzt werden. Und das Kollektiv Beton beschwört, ebenfalls mit einer filmischen Arbeit, gleichzeitig die Isoliertheit der Corona-Lockdownzeit und das Gemeinschaftsgefühl beim kollektiven Tanzen herauf. Solche Gruppendynamik kann man auch leibhaft noch bis Ausstellungsende jeden Mittwochabend bei kostenlosen Tanz-Crash-Kursen erleben.

Until 
21.08.2022

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