Badel / Sarbach

Badel/Sarbach · Planty of Love, 2020, Video © ProLitteris

Badel/Sarbach · Planty of Love, 2020, Video © ProLitteris

Badel/Sarbach · Cotschen Plants, Proyecto Amil, Tschlin, 2020 © ProLitteris

Badel/Sarbach · Cotschen Plants, Proyecto Amil, Tschlin, 2020 © ProLitteris

Badel/Sarbach · Atelieraufnahme, Guarda, 2020 © ProLitteris. Foto: Juliette Chrétien

Badel/Sarbach · Atelieraufnahme, Guarda, 2020 © ProLitteris. Foto: Juliette Chrétien

Hinweis

Badel / Sarbach

Luzern — Schlafend, monologisierend, singend oder gar beim «Workout», so «wacht» eine übergrosse Laus auf einem hohen Bildschirm in der Kunsthalle Luzern über einen ganzen Wald weissglitzernder Kakteen. Das Künstlerduo Badel / Sarbach (Flurina Badel *1983, Jérémie Sarbach *1991) macht sie in ‹Planty of Love› zum Protagonisten einer besonderen Kunstgeschichte. Die Cochenille-Schildlaus ist in gestampfter Form die Grundlage des Farbstoffs Karmin und war einmal ein hochbegehrtes Luxusgut! Velazquez konnte den edlen Mantel von Papst Innozenz X. mit ihrer tiefroten Farbe auf Leinwand verewigen. Heute färbt das lichtechte Pigment Lebensmittel oder Kosmetikprodukte, etwa «Lollipops», wie sie die Besuchenden von den Kakteen «pflücken» können.
Die «Lollis», die farbige Spuren auf der Zunge hinterlassen, sind auf jener speziellen Kakteenart platziert, die in der Natur das Habitat der Schildlauskolonien bildet. Den Farbstoff, eigentlich ein Schutz gegen Fressfeinde, haben Badel / Sarbach ironisch in ein anziehendes Moment verwandelt: Die Kunstschaffenden entwerfen mit ihrer hell gleissenden Plantage mitsamt der Laus ein Szenario, das sich bewusst einer popkulturellen Sprache und deren einfacher Lesbarkeit bedient. Im Hintergrund lauern jedoch komplexe Fragen nach Transformationsprozessen von Natur und Kultur bzw. Hoch- und Populärkultur. Die Funktion der Übersetzerin übernimmt hier die Laus. An der siebenminütigen 3D-Animation haben mit Laura M. Weber und Rosemarie E. Benson (Rob & Law) zwei hochmotivierte junge Abgängerinnen der Kunsthochschule Luzern mit grossem Einsatz gearbeitet. Die Gemütslage der Laus reicht von euphorisiert bis traurig, wenn sie zwischen Themen wie soziale Distinktion durch Farbcodes, koloniale Verhältnisse oder die Dienstbarmachung der Natur durch den Menschen hin und her wechselt. Die Laus akzeptiert am Schluss ihr «Opfer» für den grösseren Zweck, die «Kunst». Ja, wir können sie im Keller gar in der Serie «Good Shape» auf Wackelbildern beim Training beobachten, damit sie ihre Bestimmung im besten körperlichen Zustand erfüllen kann.

Until 
20.09.2020

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