Zimoun — Akustische Bewegung

Zimoun · 191 prepared dc-motors, 39 kg wood, 2021, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Zimoun · 191 prepared dc-motors, 39 kg wood, 2021, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Zimoun · 104 prepared dc-motors, 825 cardboard boxes 35 x 32,5 x 32,5 cm, 2021, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Zimoun · 104 prepared dc-motors, 825 cardboard boxes 35 x 32,5 x 32,5 cm, 2021, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Ist es Regen, der auf die Strasse trommelt? Eine Plage von Krabbeltieren, die sich über ein Feld ergiesst? Oder sind es Güter auf einem Förderband? Schliesst man vor Zimouns raumgreifender Bodeninstallation die Augen, öffnet sich eine akustisch viel­deutige Welt – rhythmisch, repetitiv, beunruhigend, aufregend.

Zimoun — Akustische Bewegung

Zürich — ‹191 prepared dc-motors, 39 kg wood›, 2021: So heisst die Installation von Zimoun (*1977, Bern). Der Titel ist zugleich Inventarliste: Auf dem Boden liegen 191 Holzsockel, die je mit einem Gleichstrommotor verbunden sind. Mit hoher Präzision wandeln die exzentrischen Antriebskonstruktionen ihre Drehbewegungen durch die an einem Hebel befestigten Holzlatten in leicht ruckelnde Längsbewegungen um. Infolge dieser buchstäblich eintönigen Massenchoreografie des Vor und Zurück, die jede Latte zeitversetzt vollführt, entsteht ein ungleichzeitiges Zusammenspiel mit Aufführungscharakter. Dabei oszilliert die selbstgenüsame Installation zwischen Geräuschkonzert in Endlosschleife und maschinellem Tanz. Sowohl der Lärm als auch die immergleichen mechanischen Bewegungen der motorisierten Holzkonstruktionen wecken Assoziationen an eine Fabrikhalle, in der Maschinen Waren produzieren.
Weniger tanzend, eher zum hektischen Leben erweckt, wirkt ‹104 prepared dc-motors, 825 cardboard boxes 35 x 32,5 x 32,5 cm›, 2021. Im Obergeschoss ausgestellt, nehmen die zu einem raumfüllenden Quader angeordneten, dreifach gestapelten Kartonschachteln fast die gesamte Fläche des Ausstellungsraums ein. Asynchrone Zitterbewegungen durchdringen die Installation stossweise und simulieren einen Weitertransport der Kisten im Cargostil. Auch hier bilden also Bewegung und Geräusch integralen Bestandteil: Manche Kisten sind mit einem Motor versehen, andere mit einem Gewicht. So entstehen wabernde Bewegungen, die auch als ruckelnder Lärm hörbar sind. Kartonschachteln stehen als Verpackungsmaterial für globalen Handel und Massenkonsum. Trotzdem fällt es schwer, einen kritischen Kommentar auf die warenversessene westliche Wohlstandsgesellschaft zu sehen: Mit den markenlosen Schachteln verhindert Zimoun jede Form von politischer Aufladung.
Die Schau im Haus Konstruktiv ist die bislang grösste Einzelausstellung des Berner Künstlers in einem Schweizer Museum. In seinen Arbeiten erschafft Zimoun mit einem Faible für Technik und Ästhetik formal minimalistische Klangskulpturen von architektonischer Präsenz. Indem er alltägliche Materialien wie Holz und Karton verwendet, greift er Elemente der Arte Povera auf – wenn auch in eher klinischer Weise. Anders als deren Exponenten ist Zimoun stets am Klang interessiert, hervorgerufen durch die ad absurdum in Bewegung versetzten Exponate. So sind die Arbeiten nicht nur visuell erfassbar, sondern zugleich auch akustisches Spektakel. 

Until 
12.09.2021
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Zimoun 10.06.2021 to 12.09.2021 Exhibition Zürich
Schweiz
CH
Author(s)
Tiziana Bonetti
Artist(s)
Zimoun

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