Müller -b-

Müller -b- · Gefäss, 2017, Porzellan, Tonerden, Verpackungsmaterial und flache Stücke, um 1990, Werkstattaufnahme

Müller -b- · Gefäss, 2017, Porzellan, Tonerden, Verpackungsmaterial und flache Stücke, um 1990, Werkstattaufnahme

Müller -b- · Gefässaufbau, Ansicht ungebrannt, 2017

Müller -b- · Gefässaufbau, Ansicht ungebrannt, 2017

Hinweis

Müller -b-

Seit frühester Kindheit ist Müller -b- (*1953) mit dem Material Tonerde vertraut. Die sowohl in Keramik wie in bildender Kunst ausgebildete Künstlerin geht, wie ihre Ausstellung «um immer wieder für Gäste zu kochen, von unten her» im Kunstforum Solothurn fulminant aufzeigt, ganz vom Material aus und lässt dieses sprechen. Damit steht sie einem gegenwärtigen Trend diametral entgegen, wo Künstler auf dem Kunstmarkt Erfolge feiern, indem sie ihre in anderen Medien erarbeitete Bildsprache der Keramik aufpfropfen - häufig unter Beihilfe von Fachkräften.
In einem Amalgam aus Verweisen auf die Geschichte und Symbolik der Keramik und Szenarien der Ausbeutung von Bodenschätzen, Globalisierung und Klimawandel schuf die Künstlerin in den letzten Jahren eindringliche Werke von existentieller Wucht. Diese kreisen um Themen wie kontaminierte Tonabbaustätten oder prekäre Behausungen. Gegenwärtig wendet sie sich - quasi als elementarem Sinnbild der sich wandelnden Interaktion zwischen Mensch und Erde  - nochmals dem Klassiker der Keramikkunst, dem Gefäss zu. Und zwar ‹von unten her›.
Ihren neuen, vollplastischen Gefässen stellt Müller -b- die gleichsam körperlosen Exemplare aus den Neunzigerjahren gegenüber. Die älteren, mit flüssigem Ton mittels Löffeln gezeichneten Gefässe widerspiegeln die Geschichte der Keramik anhand von Gefässumrissen. Sie bilden eine Art virtuelles Museum, sind unpersönlich, platzsparend stapelbar, informativ - aber ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. Die neuen Gefässwände konstruiert sie in einer rudimentären Abwandlung der traditionellen Wulsttechnik. In flüssigen Ton getauchte Verpackungsmaterialien wie Kartonschnipsel, Abdrucke und Abgüsse von Wellkartons und Luftpolsterfolien werden so mit verschiedenen Tonarten - mit unterschiedlichen Brennpunkten - «verwulstet». Beim Brand mutet sie dem Material extreme Temperaturen zu, was zu unkontrollierten Sinterprozessen führt. Die Einsprengsel aus der modernen Wegwerfwelt wirken dabei einerseits stützend - Lawinenverbauungen gleich - andererseits erhöhen sie die Fragilität des Ganzen. Dem Zufall kommt beim Brand eine erhebliche Rolle zu. Damit unterläuft Müller -b- jegliche Regel der Keramikkunst bei gleichzeitigem Zitieren traditioneller Verfahren.
Uns, ihren «Gästen», hält Müller -b- mit ihren Arbeiten ihre Wahrnehmung der heutigen Welt als Terra Cotta vor Augen, befeuert vom Prinzip Hoffnung.

Until 
01.07.2017
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Müller -b- 20.05.2017 to 01.07.2017 Exhibition Solothurn
Switzerland
CH
Artist(s)
Müller -b-
Author(s)
Roswitha Schild

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