Inge Krause in der Galerie artfinder

Inge Krause · glänzend (Berge), 2005, Pastellkreide und Acrylfarbe auf Leinwand, 60 x 90 cm

Inge Krause · glänzend (Berge), 2005, Pastellkreide und Acrylfarbe auf Leinwand, 60 x 90 cm

Besprechung

Ihre erste Einzelausstellung in der Galerie artfinder nennt Inge Krause ganz einfach «Berge». Das Landschaftsthema erscheint vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit gegenstandsloser Malerei womöglich überraschend. Doch für Krause, die weiterhin auch ungegenständlich arbeitet, steht das nicht im Widerspruch, sondern entspringt dem Interesse an Parallelität und gehaltener Ambivalenz zwischen abstrakter Struktur und gegenständlichem Bildeindruck. Beides bezieht sich bei ihr auf die Beschäftigung mit autonomer Erscheinungsqualität von Farbe, und so stehen die neuen Bilder in enger Kontinuität zum bisherigen Werk.

Inge Krause in der Galerie artfinder

Am Motiv der Gebirgslandschaft spitzt Krause eine Strategie der Verschränkung unterschiedlicher Sichtweisen zwischen Bild- und Abbildrealität weiter zu, die sie zuvor anhand von Wolkendarstellungen bereits begonnen hatte. Während jene amorphen Wolkenformationen die Grenze zum Abstrakten ja bereits von sich her umspielen und im Bild einen zwar reellen, aber doch auch undefinierten Raum suggerieren, bestimmt in den neuen, panoramahaft weiten Berglandschaften erstmals eine optisch greifbare, mit Einführung des Horizonts quasi «geerdete» Räumlichkeit die Darstellung. Doch auch die bleibt offen genug - Krause stellt durchweg Gipfelaussichten dar: Nichts steht hier dem Blick entgegen, er geht unmittelbar auf entfernte Höhen aus, hinweg über charakteristische, ans Abstrakte appellierende Strukturen aus schrundigem Stein und blanken Schneefeldern und verliert sich dabei in vergleichbarer Weise ins Weite, wie es auch für Krauses Wolkenbilder gilt.

Im Überblendungsverfahren wird diese Landschaftsdarstellung dann mit einem lichten, transparenten Farbraum identifiziert. Technisch geht Krause dabei ähnlich vor wie bei den Wolkenbildern: Auf Leinwand fertigt sie zunächst eine detaillierte Zeichnung an, wobei sie Motive aus einschlägigem Fotomaterial bezieht. Über der Zeichnung legt sie zahlreiche, die Fläche gleichmässig bedeckende Schichten aus farbig-transparentem Acryllack an, die glatt und hochglänzend auftrocknen. Auf diese Weise kann Krause die Tönung eines Bildes sehr genau modulieren, trägt aber auch eine Art von Tiefe ins Bild ein, die über das Motiv selbst nicht eigentlich zu fassen ist. So wird die Tiefenillusion der Zeichnung an den malerischen Raum der Farbe rückgekoppelt und mündet in eine hybride Bildrealität, die rein der Malerei geschuldet ist.

Mit den neuen Bildern der Folge «glänzend (Berge) ##1-6», alle 2005, spielt Krause dieses Verfahren an sehr unterschiedlichen Motiven durch und erzielt dabei ganz spezifische Bildwirkungen. Dabei legt sie Zeichnungen hier nicht mit Graphit, sondern mit Pastellkreide farbig an. Durch die getönten, meist leicht milchig wirkenden Acrylschichten hindurch erstrahlt die Farbigkeit dieser Berglandschaften dadurch in eigenartig blass leuchtender Irrealität. Blaulila Schatten in «glänzend (Berge) #1» etwa lösen die harschen Gebirgskonturen in kühle Glätte und eine verstärkt wirklichkeitsgetreue Weite auf. In «glänzend (Berge) #3» dominiert der Schatten einer Gebirgswand, der durch Überblendung mit hell durchscheinenden Farbschichten eher noch ungreifbarer wird und so den Abstraktionsgrad der Darstellung steigert. Zwischen diesen Koordinaten findet Krause weitere, unterschiedliche Formulierungen malerischen Raums, und jedes Mal bleibt es verblüffend, wie sie aus der Fläche den Eindruck ungreifbarer, lichter Tiefe hervortreibt.

Until 
14.08.2005

Advertisement