François Kohler in der Galerie Hubert Bächler

François Kohler · Simili serpent, 2004, Siebdruck gold/schwarz, 90 x 60 cm, Ed. 100, courtesy Galerie Hubert Bächler Zürich

François Kohler · Simili serpent, 2004, Siebdruck gold/schwarz, 90 x 60 cm, Ed. 100, courtesy Galerie Hubert Bächler Zürich

Besprechung

Konventionelle Vervielfältigungstechniken wie Siebdruck und Fotografie benutzt der Lausanner Künstler François Kohler (*1964) in umgekehrtem Sinne. Obwohl in Serie hergestellt, überprüft er die so produzierten Bilder auf ihre einzigartigen Qualitäten.

François Kohler in der Galerie Hubert Bächler

Als Gründungsmitglied des von Künstlern verwalteten Lausanner Kunstraumes «Circuit» arbeitet Kohler seit 1998 in einem künstlerischen Umfeld, das durchaus ähnlichen Fragen nachgeht. So interessieren sich auch Künstler wie Didier Rittener sehr für manuelle Druckverfahren und den individuellen Ausdruck dieser Abbildungsmaschinen. François Kohler kümmert sich jedoch im Gegensatz zu den Künstlerkollegen aus Lausanne kaum um das abgebildete Motiv, sondern fast ausschliesslich um die Art, wie es zustande kommt.

«Simili serpent», 2004, reproduziert die Muster einer Schlangenhaut in verwirrender Dichte mehrfach auf dem Blatt einer Siebdruckedition. Auf den Drucken entfaltet sich ein schier unendlicher Makrokosmos, dessen optische Überlagerungen an die schwindelerregenden Motive der Op Art denken lässt. Handelt es sich hier nur um analoge Nostalgie nach der bahnbrechenden Entwicklung des digitalen Bildes? Kohlers Untersuchung über die originären Qualitäten der massenmedialen Bildherstellung scheint zunächst paradox. Die ewige Wiederholung der ornamentalen Muster fragt nicht nach der Anzahl der Kopien. Sie geht vielmehr davon aus, dass eine unbegrenzte Menge an Optionen für die Herstellung eines Bildes zur Verfügung steht - und damit auch unendliche Möglichkeiten, zu einem «Original» zu kommen.

Immer wieder tauchen offene oder geschlossene Kreisformen in Kohlers Arbeit auf. Das beleuchtete Fahrzeug erzeugt in «Slot», 2002, ein fotografisches Bild von dem Rundkurs einer Spielzeug-Rallyebahn. In langer Belichtungszeit werden seine Lichtspuren auf der empfindlichen Matrix aufgezeichnet. Licht, Farbe und repetitive Formen erforscht der Künstler jedoch nicht mit konzeptuellem Nachdenken über die einzelnen Begriffe, sondern wagt die spielerische Annäherung an das Unfassbare, Unendliche und das Einzigartige. Und doch scheint der Zugriff auf ein ganz bestimmtes Bildmotiv mit mathematischer Genauigkeit berechnet. Sucht François Kohler nach einer quasi arithmetischen Bedingung des Seriellen, einer Art Axiom? Tatsächlich erinnert der visuelle Ausdruck an die Aufzeichnung eines gemeinhin unsichtbaren, aber omnipräsenten Phänomens, das auf seine Abbildbarkeit hin untersucht wird. Auf diesem Weg geht es nicht so sehr um das abgebildete Motiv, sondern wie ein Sujet in der seriellen Bildherstellung zum Original werden kann.

Until 
07.10.2005

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