Pass auf! von Adela Picón und Mauro Abbühl

Adela Picón und Mauro Abbühl · Wahlkabine im Progr in Bern, 2005

Adela Picón und Mauro Abbühl · Wahlkabine im Progr in Bern, 2005

Hinweis

Pass auf! von Adela Picón und Mauro Abbühl

Interaktive Kunst sieht für den Rezipienten meist nur Reaktionen in vorgegebenen Schemata vor. Mit ihrem Projekt «Pass auf!» wollen die Berner KünstlerInnen Adela Picón und Mauro Abbühl solche Interaktionsgrenzen erweitern. Sie haben ein fiktives Online-Passbüro entwickelt, das auch aus zwei Wahlkabinen in Bern (Progr) und Zürich (ehemaliges Toni-Gelände) zugänglich ist. Wer sich um einen Pass bewirbt, kann auch über Annahme oder Ablehnung anderer Bewerbungen abstimmen. Das alles wäre ein rein bürokratischer Akt, blieben die Bewerbungen nicht anonym. Nicht Name, Alter, Adresse erfragt das Passbüro, sondern ob man Velo fährt, ob man M-Budget Produkte kauft, ob man oft traurig ist. Aus diesen Angaben ergeben sich Persönlichkeitsprofile, nach denen jeder über die Pass-Anträge anderer entscheiden darf. Das Projekt, das eidgenössische Einbürgerungspraktiken karikiert, lockt zahlreiche Besucher an. Die spielerischen Möglichkeiten - so das Gestalten witziger Passfotos - sprechen auch jenes Publikum an, das oft so heiss wie vergeblich umworben wird: Menschen, die nicht in Museen und Galerien gehen. Viele der bisher über 300 Teilnehmer verlinken ihre Homepages mit der Projekt-Adresse. Natürlich ist auch dieses Projekt nicht grenzenlos interaktiv. Offenheit bis zur Willkür kann sicher nicht Ziel eines Kunst-Projektes sein. Durchaus gewollt aber ist die Ironie, die darin liegt, die Grenzen zwischen Kunstwerk und Rezipient zu lockern - und dabei mit einem Motiv zu spielen, in dem das Thema Begrenzung und Abgrenzung überdeutlich ist. Ab Mitte Oktober auch online.

Until 
14.10.2005

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