Chur: chur-interveniert

Isabelle Krieg · Abendbrot, 2005, Licht-Intervention in Baulücke, Untere Gasse in Chur, Epoxydharz, Glasfasergewebe, Neonröhren, Kabel auf Baugerüst montiert, 3,7 x 11,6 x 4,2 m, Foto: Luciano Fasciati, Courtesy:
transit. graubünden/ProLitteris Zürich

Isabelle Krieg · Abendbrot, 2005, Licht-Intervention in Baulücke, Untere Gasse in Chur, Epoxydharz, Glasfasergewebe, Neonröhren, Kabel auf Baugerüst montiert, 3,7 x 11,6 x 4,2 m, Foto: Luciano Fasciati, Courtesy:
transit. graubünden/ProLitteris Zürich

Kunst am Bau

Chur: chur-interveniert

Unter diesem Titel werden auch im laufenden Jahr künstlerische Eingriffe im öffentlichen Raum der Stadt Chur vorgenommen. Den Reigen eröffnet Nezaket Ekici mit «Mimesis», drei Performances, an geschichtsträchtigen Orten. Die türkische Künstlerin war Schülerin von Marina Abramovic.
In Chur wurde sie auf die beiden relativ wenig beachteten weiblichen Marmorfiguren aufmerksam, die auf dem Hauptpostgebäude thronen und 1870 vom Genfer Künstler James Vibert geschaffen worden sind. Die Künstlerin wird nun auf verschiedenen Dächern der Churer Altstadt (Martinskirche, Kantonsbibliothek/Staatsarchiv, Capellerhof am Kornplatz) in die marmorne Gestalt schlüpfen und sich in deren Gewand kleiden, jedoch ohne die weisse Farbe des Marmors zu übernehmen. Immer eine Stunde lang ist diese menschliche Skulptur mit wehendem Kleide zu sehen, alle Viertelstunden unterbricht sie mit einem Stoss aus dem Posthorn die angespannte Stille. Die Performance schafft so eine übergreifende Verbindung von Zeit und Raum. Sie wird aufgezeichnet, die Dokumentationsstelle befindet sich in der Kantonsbibliothek.

Nicht Beton, Glas, Stahl oder Kunststoff - ein prismatischer, mit blauem, bemaltem Jeansstoff bezogener Holzkörper erhebt sich am Arcas zwischen Brotlaube und Bärenloch. Die Form, die sich Martin Heldstab erdacht hat, ist ungewöhnlich und ebenso die textile Hülle. Historische Bausubstanz wird mit zeitgemässer Körperlichkeit konfrontiert. Die Bemalungen des Stoffs treten in den Dialog mit den Fassadenmalereien des benachbarten Gebäudes. Der Künstler hat mit dieser Intervention eine Art neues Element ins Stadtbild gebracht.

Yves Mettler, Manor-Kunstpreisträger 2006, hat in Chur, einer der ältesten Städte des Kontinents, einen Europaplatz geschaffen. Sein Thema ist die Baustelle Europa. So hat er an zwölf Plätzen in Chur Baustellenzäune errichtet, deren Latten mit bunten Streifen aus den Farben der verschiedenen Landesfahnen bemalt sind. An jedem der Plätze sind drei Stangen aufgerichtet, auf deren Vorderansicht ein Stern zu sehen ist. Auf der Rückseite steht in der Sprache der verschiedenen Länder das Wort «Europaplatz» in schwarzen Lettern. Die fiktiven Baustellen erstrecken sich über die ganze Stadt und fordern Einwohner und Gäste auf, über Europa nachzudenken.

Mit einer Lichtintervention besonderer Schönheit und Rätselhaftigkeit bereichert schliesslich Isabelle Krieg eine hinter einem Bretterzaun klaffende Baulücke in der Unteren Gasse. Wo einst gewohnt, gearbeitet, gelebt und geliebt wurde ist nichts mehr, und doch: Statt Abendrot leuchtet hier jetzt das Abend-Brot: Zehn etwa 20 x 80 cm grosse Brotlaibe schweben, auf lange Stangen gesteckt, himmelwärts. Sie leuchten, glühen wie rosa Abendwölkchen und vermitteln Hoffnung auf neues Leben in dieser Ecke der Churer Altstadt.

Ein weitgefasstes Rahmenprogramm mit Rundgängen und Podiumsdiskussionen zu Themen der Kunst, Kunstvermittlung, zu öffentlichen Räumen, Geschichte und Zukunft der Kunst bereichern die Interventionen, die in der Altstadt je nachdem bis Ende Oktober, 6.11. oder 31.1.2006 zu sehen sein werden. Eine Fortsetzung in der Zukunft ist vorgesehen.

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