Ron Mueck in der Fondation Cartier

Ron Mueck · Spooning couple, 2005, Ausstellungsansicht, Foto: texte&tendenzen

Ron Mueck · Spooning couple, 2005, Ausstellungsansicht, Foto: texte&tendenzen

Hinweis

Ron Mueck in der Fondation Cartier

In Spike Jonzes Film "Being John Malkovich" spielt John Cusack den Marionettenspieler Craig Schwartz, der John Malkovich wie eine Puppe dirigieren kann. Schwartz ist eine tragische Figur. Mag seine "Puppe" auch noch so grandios spielen, der Puppenspieler bleibt an den Fäden seiner Allmachtsphantasie hängen. Die Puppe als Objekt des über sie verfügenden Künstlers ist ein Topos der Moderne. Kokoschkas "Alma" sollte die Geliebte ersetzen, Bellmer verrenkte die Glieder seiner Gefährtinnen. Die künstlichen Doppelgänger sind Ausstülpungen eines ungebändigten Begehrens.

Ron Mueck nimmt mit seinen Plastiken diese Tradition auf. Weniger die menschliche Figur in der Skulptur, weniger Pygmalion oder Michelangelo sind seine Bezugspunkte. Mueck ist Marionettenspieler, ihm geht es um den Ausdruck, der in den Zügen einer künstlichen Verdoppelung liegt. In seiner ersten Einzelausstellung in Frankreich zeigt er die Möglichkeit, sich mit menschlichen Figuren zu maskieren. Der 47-jährige Australier, Sohn deutscher Eltern, ist über den Film zur Kunst gekommen. Als er 1996 für seine Schwiegermutter, die Malerin Paula Rego, eine hyperrealistische Pinocchio-Figur gestaltete und diese von Charles Saatchi bemerkt wurde, begann Muecks Karriere als Künstler. International wurde er mit seinem Riesen-"Boy", der sich zur 49. Venedig-Biennale bis unter das Dach des Arsenale quetschte, bekannt.

In Paris lässt er nun mit fünf eigens realisierten Werken erneut die Puppe tanzen. Dabei sind die verkleinerten Figuren, wie die beiden alten Damen, die missgünstig in den Ausstellungsraum blicken, oder das Paar, das in Löffelchen-Stellung auf einem Sockel liegt, fast verblüffender, als die Riesen. Gemeinsam ist allen, dass sie in Gestik und Mimik im Kontext des Films bleiben. Mehr noch als durch die Detailgenauigkeit jedes Äderchens, jedes in die Silikon- oder Fiberglas-Oberfläche gesetzten Haares, wird man durch das Wiedererkennen von cineastischen Stimmungen in den "realistischen" Bann der Figuren gezogen. Spektakulär ist diese Ausstellung und genau das lässt den Besucher misstrauisch werden: Transzendiert Ron Mueck die Faszination perfekter Technik hin zur Kunst oder bleibt er an der Grenze zwischen Vereinnahmung und Verstörung stehen? Mit Katalog.

Until 
18.02.2006

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