William Klein im Centre Pompidou

William Klein · Serge Gainsbourg für den Umschlag "Love On The Beat", 1984, © William Klein

William Klein · Serge Gainsbourg für den Umschlag "Love On The Beat", 1984, © William Klein

Hinweis

William Klein im Centre Pompidou

New York, Anfang der fünfziger Jahre: Die Stadt, die niemals schläft, wird zum kulturellen Zentrum neuer Bewegungen, beeinflusst durch Flüchtlinge wie Max Ernst, Marcel Duchamp oder Marc Chagall. New York wird "Gotham", wächst auf über sieben Millionen Einwohner an. Wie nie herrscht in der Stadt eine eigenwillige Mischung aus Aufbruchsstimmung und Verzweiflung, Armut und Erfolg. In ihr spiegelt sich auch der Kunst-Krieg zwischen Paris und New York, der in Verlängerung des kalten Krieges um die Vormachtstellung im Kunstmarkt tobt. William Klein lebt diese Veränderungen. 1928 als Kind jüdischer Einwanderer in einem irischen Viertel aufgewachsen, studiert er mit 20 an der Sorbonne, heiratet, lässt sich nieder. 1954 kehrt er zurück, New York ist ihm fremd geworden. Im Auftrag der Zeitschrift Vogue erstellt er eine Serie, "in der ich New Yorker behandelte wie ein Forscher Zulus behandeln würde - ich suchte nach dem einfachsten Schnappschuss, dem Nullpunkt der Fotografie". Die Fotos zeigen eine kalte, grausame, gewalttätige Stadt - ein Skandal. Erst 1956 wird Klein sie bei Seuil in Paris publizieren können. "Life is good and good for you in New York" gewinnt den Nadar Preis. Bis heute gilt das Buch als eine der Ikonen New Yorks und einer ganzen Epoche.

Im Centre Pompidou sind nur einige der Original-Fotografien zu sehen, umgeben von Kleins anderen Stadt-Porträts: Moskau, Rom, Tokyo. Sein Weg zur Abstraktion, seine Modefotografie, Ausschnitte seiner Filme, seine übermalten Kontaktabzüge zeigen: Klein ist Pop. Nicht der clevere, kalkulierte Pop von Warhol, sondern eine gröbere, fast brutale Variante der Verschiebung aller Werte in die Welt des Konsums und der Reproduktion. Bei der Gestaltung der Ausstellung hat der Meister selbst Hand angelegt. Entstanden ist ein bisweilen von überbordendem Narzissmus getragenes Selbstporträt. Das ist kohärent für einen, der in all seinen Bildern "das Selbstporträt mit einer mehr als sichtbaren Kamera provozieren wollte". Provoziert hat er auch seinen ehemaligen Assistenten. Jean-Marc Bustamante klagt derzeit vor Gericht, weil Klein deutlich mehr Abzüge eines New-York-Portfolios erstellt hat, als einst vereinbart. Es geht um einige zehntausend Euro. Klein nannte sich selbst "Photomaton der Leute" - auch in Fragen des Geldes geht er "bis zum Äussersten". Dazu braucht es, so Vogue-Artdirector Alexander Liberman, "ebenso ein hypertrophes Ego, wie auch sehr viel Mut".

Until 
05.02.2006

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