Florio Puenter in der Galerie Luciano Fasciati

Florio Puenter · Wald/God 5, 2005, 30 x 60 cm

Florio Puenter · Wald/God 5, 2005, 30 x 60 cm

Besprechung

Ein Gemsgehörn an der Wand und das Empire State Building in Blicknähe - der Fotograf Florio Puenter braucht den Spagat zwischen der harzduftenden
Bergesstille des Engadins und der wolkenkratzer-bestückten Hektik von New York. Davon zeugen seine neuen Arbeiten, die bei Luciano Fasciati in Chur ausgestellt sind

Florio Puenter in der Galerie Luciano Fasciati

Florio Puenter verbringt ein gutes Drittel des Jahres in New York, den Rest im Engadin oder auf Reisen. Er ist nicht ausgewandert wie etwa der Schweizer Fotograf Robert Frank und die Motive seiner Fotografien haben nur indirekt etwas mit dieser Stadt zu tun. Jede Rückkehr von Manhattan ins Unterengadin schärft seinen Blick für das, was sich ihm gewissermassen vor der Haustüre darbietet. Puenter ist interessiert an der Fotografie des 19. Jahrhunderts. In Museen, Sammlungen und Galerien von New York fand er anregende Beispiele. Seine Ausrüstung ist herkömmlich und gewichtig, die Objektive genügen jedoch modernsten Ansprüchen. Seine Arbeitsweise ist eine Gratwanderung zwischen effektvoller technischer Brillanz und nostalgischer Verklärung. Florio Puenter bewegt sich exakt zwischen beiden. Er sucht nicht das Spektakuläre und Atemberaubende, obwohl dieses in seinem Engadiner Wirkungsfeld allzeit präsent ist. Er fängt vielmehr Stimmungen ein, dunkel schimmernde Felswände, Waldausschnitte, Wegpartien, Wasserläufe. Auf den ersten Blick erscheinen die Bildflächen schwarz. Sie beleben sich jedoch beim Betrachten und zeigen eine Fülle feinster Schattierungen und Formen. Menschen und Gebäude fehlen vollständig. In einer Reihe von Arbeiten treibt Puenter diesen Aspekt so weit, dass er mit digitaler Technik sämtliche Spuren der Zivilisation tilgt. Im Druck und der Weiterverarbeitung bleibt er der traditionellen Arbeitsweise treu. Die schwarzweiss fotografierten Landschaften werden in grossen Formaten auf leicht getöntem Cibachrome Papier gedruckt. Ein emotionales Moment ist bei diesen Arbeiten nicht wegzuleugnen, eine gewisse Verklärung einer nicht mehr existenten unberührten Landschaft - auch wenn der Künstler leise widerspricht. Das Engadin ist sein «Lieblingsort» - das spürt man in seinen Bildern. Das Wohlbefinden am Ort seines Arbeitens ist für Puenter die Voraussetzung, dass er überhaupt zur Kamera greift.

Puenter fotografiert gezielt, entscheidet sich klar am Ort für ein Motiv und wählt nicht aus einer Fülle mehr oder weniger wahllos geschossener Aufnahmen aus. Sämtliche Arbeiten - eine Reihe von etwa zwanzig Stück - sind in mattem Schwarzweiss auf Karton aufgezogen, nicht hinter Glas und im Format 30 x 40 cm. Sie hängen in thematischen Blöcken, einige zu mehrteiligen Panoramen zusammengefügt. Er bemüht sich nicht um «schöne» Bilder, auch nicht um Postkartensujets wie Albert Steiner. Auch die eindeutige Lokalisierung seiner Aufnahmen ist unmassgeblich für ihn.

Until 
14.04.2006

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