Katrin Sigurdardottir in der Frac Bourgogne

Katrin Sigurdardottir · Installationsansicht in der Frac Bourgogne, Foto: Katrin Sigurdardottir

Katrin Sigurdardottir · Installationsansicht in der Frac Bourgogne, Foto: Katrin Sigurdardottir

Hinweis

Katrin Sigurdardottir in der Frac Bourgogne

«Island» nennt Katrin Sigurdardottir eine Arbeit, die 2005 von der Frac Bourgogne erworben wurde, einer jener staatlichen Sammlungen, die der Dezentralisation Frankreichs mit der Kunst dienen sollen. Ein kleines Architekturmodell aus Gipskarton, das mit seinen Wänden die Umrisse einer Insel vor Island nachzeichnet. In ihrer aktuellen Ausstellung in Dijon entwirft Sigurdardottir Landschaft als Szene - der Besucher kann wie ein Schauspieler Teil eines imaginären Raumes werden. Oder er kann um die Installation herumgehen und erkennen, dass jenes Gefühl der Erhabenheit, das sich vielleicht angesichts der gezeigten Landschaft eingestellt haben mag, sich einem Potemkinschen Dorf verdankt. Im New Yorker PS1 wird Sigurdardottir im Oktober auf zwei Etagen mit «High Plane V» die Besucher noch enger in ihre Landschaftsmodelle einbinden: Man muss klettern, den Kopf durch Löcher stecken, um in die imaginären Räume der Künstlerin zu gelangen. Der 39-Jährigen geht es um Übertragungen von Landschaft, von Raum. Wie viele aktuelle isländische Künstler bearbeitet auch sie die Erinnerung an ihr Land - «Homesick» lautete der Titel einer Gruppenausstellung im Akureyri Art Museum (Island), an der sie im Frühsommer teilnahm. In ihren unpathetischen Modellen und Installationen macht sie deutlich, wie sehr wir auf Raumvorstellungen bezogen sind. Und wie wenig diese Räume, anders als es der herkömmliche Nationalgeist will, fixiert sind. «Your Land» von 1999 ist das verkleinerte Modell Islands auf Rädern. Ferngesteuert kann es der Künstlerin, die seit zwölf Jahren in New York lebt, folgen. «Die Heimat ist nicht das Land sie ist die Gemeinschaft der Gefühle» zitierte der kürzlich verstorbene schottische Landschaftskünstler Ian Hamilton Finlay 1993 den französischen Revolutionär Louis Antoine Saint-Just. Gefühle sind imaginär. Sigurdardottir baut die Räume dazu.

Until 
27.10.2006

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