Katrin Plavcak in der Stadtgalerie

Katrin Plavcak · proposal for sculpture in public space, 2006, 130 x 170 cm,
Öl auf Leinwand

Katrin Plavcak · proposal for sculpture in public space, 2006, 130 x 170 cm,
Öl auf Leinwand

Besprechung

Katrin Plavcaks (*1970) Malereien setzen sich mit Einsamkeit, der Zurückgeworfenheit des Menschen auf sich selbst und der Verwandlung von Dingen auseinander. Sie erwecken den Eindruck, in einer neofigurativen Tradition zu stehen, die ganz bewusst nicht in Richtung Abstraktion geht. Das malerische Vorgehen wirkt auffallend mutig und frisch.

Katrin Plavcak in der Stadtgalerie

Die Motive scheinen aus einer fremden Welt zu stammen, so als handle es sich um fotografische Aufnahmen, bei denen etwas zu früh oder zu spät auf den Auslöser gedrückt wurde. Stürzende Reiter, aufprallende Gestirne oder Menschen, die sich in ihrer Anonymität gestört fühlen. Die Wirkung ist nicht die eines Filmstills, sondern eines Bewegungsablaufes, der zeitlich weder Anfang noch Ende hat. Da kaum ein Moment festgehalten wird, kann sich kein Eindruck richtig manifestieren. Das erinnert an jenen Zeitpunkt am Morgen, wenn sich beim Erwachen noch kein klares Bild zeigt, sondern nur schemenhafte Formen wahrnehmbar sind.

Um diese Stimmungen zu erzielen, hat Katrin Plavcak in den letzten Jahren einen spezifischen Malstil entwickelt, der auf einer Veränderungen der Kontrastwerte basiert. Die vorgefundenen Bildvorlagen unterzieht sie einer rigorosen Selektion und wählt meist diejenigen mit besonders hohem Helligkeitswert aus: grell beleuchtete Häuserfronten, sich auflösende Horizonte oder Schneelandschaften. Durch den starken Helligkeits- und Weissanteil verschwinden sämtliche Schatten. Gleichzeitig verändert sie das gesamte farbliche Umfeld. Einerseits akzentuiert sie alle Binnenlinien, andrerseits gleichen sich in ihrer Bearbeitung die Farbtöne zunehmend einander an. Dadurch verliert sich die ursprüngliche Bildhierarchie und stattdessen ergibt sich eine Fokussierung auf Nebenschauplätze, auf die unscheinbaren Dinge, die von uns kaum wahrgenommen werden. Katrin Plavcak greift sozusagen surrealistische Bildideen auf, indem sie unterschiedliche Bildkonzepte so übereinander legt, dass jedes eine eigene Situation suggeriert, in Kombination aber doch ein perfekt funktionierender Bildinhalt vermittelt wird.

Ihre Bilder seien mit «verstelltem Blick» gemalt. Damit bezeichnet sie wohl die Werke, deren Motive durch einzelne farbige Streifen aufgelöst werden. Das erinnert an die Reiterin von René Magritte, die sich mit den Baumstämmen des Waldes zu verflechten scheint. Mit diesem Vorgehen formalisiert sie das narrative Bild und vollzieht zugleich einen weiteren Schritt hin zur Abstraktion.

Until 
29.12.2006

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