Christoph Rütimanns Bahnhofsgestaltung - Sprache-Zeichnung-Körper

Kunst am Bau

Christoph Rütimanns Bahnhofsgestaltung - Sprache-Zeichnung-Körper

Der Bahnhof-Erneuerungs- und Erweiterungsboom hat auch vor Chur nicht Halt gemacht. Nach einem Wettbewerb ist Christoph Rütimann für die künstlerische Gestaltung in und um den Bahnhof der Kantonshauptstadt zuständig. Am ersten Dezemberwochenende wurde die Teil-Eröffnung gefeiert.
Hat man den Zug verlassen und ist vom Bahnsteig in die Halle hinuntergestiegen, zieht es den Blick nach oben. Ein doppeltes, in Beton gefrästes Wort- oder Buchstabenband, ohne Anfang oder Ende fortlaufend wie ein Ornament, regt zunächst die Phantasie an. Was alles enthält dieses CHURCHURCHURCH ?: den Namen der Stadt, CH Confoederatio Helvetica, die Silbe UR, oder gar das englische Wort für Kirche? Dass sich auch noch die Initialen des Künstlers darin verbergen, mag Zufall sein. Kein Zufall und überaus unpassend ist jedoch der grosse Monitor mit Werbung für einen Ferienort, der sich wie eine Blechbüchse ein Stück weit über das Schriftbild schiebt.
Beim Verlassen des Bahnhofs arbeitet Rütimann mit den geografischen Umrissen der Schweiz und Graubündens und baut ein «Gerüst der Grenzen». Deren Ähnlichkeit animierte den Künstler zu seiner hintergründigen Arbeit. Noch im Bahnhof - vom Zuge kommend und gewissermassen beim Betreten des Kantons - erscheinen die Kantonsgrenzen als blaue Umrisslinie, vor einer gespiegelten Silhouette der Schweiz. Umgekehrt erblickt man beim Verlassen der Stadt eine rot umrandete Schweizerkarte vor dem gespiegelten Kanton Graubünden. Um Deckung zu erreichen, musste man dessen Ausmasse ca. 2.5 mal vergrössern. Die Installation aus den beiden etwa 8 cm voneinander entfernten Schienen mit Leuchtröhre erstreckt sich im Abgang zur Halle über ca. 5 x 10 Meter und wird von Stahlstäben von oben und unten gehalten.
Drei Brunnen werden an drei verschiedenen Standorten auf dem Bahnhofsplatz die Aufmerksamkeit der Reisenden fesseln. Der grösste von ihnen plätschert bereits. Mit dieser Arbeit bezieht sich Christoph Rütimann explizit und zugleich verschlüsselt auf die allgegenwärtige Zahl DREI in Graubünden.
DREI Bünde schlossen sich 1803 zu Graubünden zusammen, DREIsprachig ist der Kanton, und in DREI Meere ergiessen sich die Wasser Graubündens - der Rhein in die Nordsee, Inn/En ins Mar Nair/Schwarze Meer und die Maira in die Adria. Aus der Hauptsprache der einzelnen Wasserzonen und dem Ziel-Meer resultiert die Beschriftung der einzelnen Brunnen (deutsch, romanisch), das Steinmaterial kommt aus der entsprechenden Region (Andeer, Bernina, Calancatal). Schliesslich ist die Länge der drei Brunnen der aus der Wasserzone abfliessenden Wassermenge proportional (156/223/543 cm), die Form ist ein strenger Quader. Leuchtend gelb gespritzte Glasplatten und Platanen ergänzen das gründlich geplante und über eine lange Bauzeit realisierte Projekt.

Author(s)
Gisela Kuoni
Artist(s)
Christoph Rütimann

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