Erika Maack im Museum zu Allerheiligen

Hinweis

Erika Maack im Museum zu Allerheiligen

Täuschend echte Ansichten von Nebelwolken, schneebehangenen Bäumen und Geäst kontrastieren mit geschichteten Gipsplatten, die im Wechselsaal des Museums am Boden liegen und mit weissem Epoxydharz in Blautönen bemalt sind. Wie Markus Stegmann im Pressetext schreibt, sollen sie treibende Eisschollen darstellen und beim zweiten Blick ihre Künstlichkeit offenlegen und mit unserer Vorstellung vom ewigen Eis spielen. Doch solche Vorstellungen mögen sich angesichts dieser Gipsplatten beim besten Willen nicht einstellen. Dasselbe gilt auch für die «Wucherungen» aus hellen Hartschaumplatten, die an Eisenstangen fixiert sind. Weder wird hier eine Erinnerung an wirkliches Eis geweckt, noch an «bizarre Felsformationen» oder an «überdimensionale Korallen». Sie sind und bleiben unter welcher Perspektive auch immer simple Kunststoffgebilde. Am überzeugendsten wirkt ein C-Print von «Kirschblüten unter tiefblauem Himmel» (Ankauf des Museums), der nicht im Rahmen dieser Ausstellung gezeigt wird. Hier wird der Charme von japanisch anmutenden Landschaftsstücken entfaltet und gleichzeitig die Künstlichkeit der Blüten präsentiert. Die Fotografien kommen Erika Maacks (*1969) Intention, die Doppeldeutigkeit von Wirklichkeit und Künstlichkeit darzustellen, am nächsten. Ausgangspunkt ihrer Fotografien bilden Modelle von Landschaften, welche sie in ihrem Atelier baut. Ihre imaginierte oder tatsächliche Schönheit unterstreicht sie durch Unschärfen. So entstehen trotz Abbilder von Abbildern täuschend echte Ansichten von Landschaften, die jedoch gleichzeitig ihre Künstlichkeit preisgeben. Damit befragt die Schweizer Künstlerin unser gespaltenes Verhältnis zur Natur. Einerseits thematisiert sie unsere Naturverbundenheit, die sich allzu oft nur in purer Konsumption erschöpft, andererseits verweist sie auf Landschaft, die letztlich von Menschenhand gestaltet worden ist und so unsere Sehnsucht nach unverfälschter Natur ad absurdum führt. In den Fotoarbeiten gelingt es Erika Maack, dieses Spannungsfeld zu visualisieren, als Installation vermag es formal kaum zu überzeugen, auch nicht als Dialog zwischen dem Faktischen der Kunststoffobjekte und der abgebildeten Modellwelt.
Zur Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst Nürnberg eine Publikation zum Gesamtwerk von Erika Maack einschliesslich der neuen Arbeiten in Schaffhausen mit einem Text von Markus Stegmann.

Until 
14.04.2007

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