«Destroy, She Said» in der Julia Stoschek Collection

Anthony McCall · Line Describing a Cone, 1973, 16 mm-Filmprojektion, 30 Min. Installationansicht im Whitney Museum, New York, Ausstellung: Into the Light (1964-1977), 2002, Julia Stoschek Collection, Düsseldorf, Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln, Foto und © Henry Graber, 2002

Anthony McCall · Line Describing a Cone, 1973, 16 mm-Filmprojektion, 30 Min. Installationansicht im Whitney Museum, New York, Ausstellung: Into the Light (1964-1977), 2002, Julia Stoschek Collection, Düsseldorf, Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln, Foto und © Henry Graber, 2002

Besprechung

Mit Spannung erwartete das an Kunstorten nicht eben arme Düsseldorf die Eröffnung eines neuen spektakulären Ausstellungsraumes. Julia Stoschek, 31-jährige Industriellentochter und Gesellschafterin der Brose Unternehmengruppe, die in Düsseldorf bereits mit einem Künstlerstipendium für die Förderung junger Kunst eingetreten war, hat ein ehemaliges denkmalgeschütztes Fabrikgebäude zu einem Wohn- und Ausstellungshaus umbauen lassen. 2500 Quadratmeter stehen nun zur Verfügung, um ihre mittlerweile etwa 400 Werke umfassende Sammlung von hauptsächlich Videoarbeiten zu zeigen.

«Destroy, She Said» in der Julia Stoschek Collection

Die erste Präsentation der Sammlung, von der jetzt etwa ein Zehntel ausgestellt ist, überrascht mit einer feinen und facettenreichen Zusammenstellung, die sich auf die ästhetischen Möglichkeiten des Mediums konzentriert. In den vier Jahren ihrer Sammlertätigkeit hat die junge Mäzenin, Mitglied im Direktoren-Board der Kunst-Werke Berlin und neuerdings auch im Trustee Committee on Media am Museum of Modern Art in New
York, eine sorgfältige Auswahl an Videokunst zusammengetragen: Der Bogen spannt sich von den Anfängen - performativen und experimentellen Arbeiten von Bruce Nauman und Marina Abramovic/Ulay, einem frühen Bill Viola oder der subtilen Lichtinstallation des wiederentdeckten Briten Anthony McCall «Line Describing a Cone» von 1973 - bis zu jungen Künstlern, welche die Vielfalt des Mediums zeigen: in dem mit Kinoästhetik spielenden «16-mm Mystery» von Christian Jankowski etwa oder einer brillanten 35-mm-Projektion von Lonnie van Brummelen, der interaktiven Videoinstallation von Natascha Sadr Haghighian oder den Trickfilmanimationen des Jungstars Paul Chan.
Auch thematisch überzeugt die Präsentation durch eine stimmige Zusammenstellung, die sich auf zwei grosse Themenbereiche konzentriert. Ausgehend von Monica Bonvincinis raumfüllender Videoinstallation «Destroy She Said», kreisen die Arbeiten im ersten Geschoss vor allem um Aufbau und Zerstörung. Im zweiten Obergeschoss wird als grosse zentrale Arbeit «Interiors» von Doug Aitken gezeigt, deren kreuzförmige Raumarchitektur mit drei transluzenten Leinwänden den Betrachter fast ganz umgibt. Rhythmisch geschnittene Bilder einsamer Personen in urbanen Landschaften und Innenräumen verdichten sich zur psychologischen Reise. Mit der Veränderung von Raum- und Zeitwahrnehmung - die bis zu psychischen Grenzzuständen reichen kann - beschäftigen sich Heike Baranowskys verspielt-poetische «Mondfahrt» zum Beispiel und Kon Trubkovichs
psychedelisch überzeichnete Flucht. Zu diesen starken Momenten zählt auch Olafur Eliassons eigens für das Gebäude konzipierte Wandarbeit aus Kaleidoskopen, die nur Wahrnehmungssplitter des Aussenraumes ermöglichen.

Until 
15.08.2008

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