Collection Cahiers d'Artistes im FRI-ART Centre d'Art Contemporain

Franziska Koch · Office, 2007, Installation Fri-Art, Fribourg

Franziska Koch · Office, 2007, Installation Fri-Art, Fribourg

Besprechung

Seit zehn Jahren fördert die Kulturstiftung Pro Helvetia mit den Cahiers d'Artistes relativ unbekannte, junge Schweizer Künstlerinnen und Künstler. In den Räumen der Kunsthalle FRI-ART sind nun die Werke der 2006 und 2007 jurierten Happy Few zu sehen. Mit ihnen wird zudem das gegenwärtige Kunstschaffen in der Schweiz reflektiert.

Collection Cahiers d'Artistes im FRI-ART Centre d'Art Contemporain

Inmitten des hektischen Ausstellungsaufbaus werkelt Franziska Koch (*1966, Luzern) an ihrer Installation «Office», 2007. Sie stellt ein verlassenes Büro dar, in dem sich die Arbeitsprozesse verselbständigt haben: Der Drucker spuckt ohne Unterlass Papierseiten aus, die über einen schief stehenden Bürotisch zu Boden gleiten. Auf die Seitenwand ist ein sich drehender Ventilator projiziert. Sein imaginärer Luftzug weht virtuelle Blätter auf den Boden, die sich dort mit den realen Seiten mischen.
Eine nicht minder beängstigende Verlassenheit atmen die grossformatigen, fotorealistischen Zeichnungen einer Einfamilienhaussiedlung «Série Le Village», 2005, von Joëlle Flumet (*1971, Genève). Die von hohen Hecken gesäumte Strasse ist ausgestorben, lediglich die Zufahrtswege zu den Grundstücken lassen einen Blick auf die Villen erhaschen. Auch die frontale Ansicht eines Vorgartens vermittelt den Eindruck von Sterilität und Verlassenheit. Dieser wird noch verstärkt durch den computergenerierten geometrisierenden Zeichenstrich. Vor den drei Bildern ist ein Repräsentant dieser bürgerlichen Wohnkultur positioniert: ein lachsroter Polstersessel, dessen Bein auf einem Keil ruht. Den Arbeiten liegen Fotografien des Heimatdorfes der Künstlerin zugrunde. Die unpersönliche Aufmachung in der Art eines Häuserkatalogs lässt die Stätte ihrer Jugend jedoch überraschend distanziert erscheinen.
Ganz im Gegensatz zu diesen Arbeiten, die von Entfremdung und Entwurzelung sprechen, bersten die Bleistiftzeichnungen von Loredana Sperini (*1970, Wattwil) vor Emotionalität. In «Ho visto Sara volare», 2006, sind vor einem weissen Hintergrund in strahlenförmig angeordneten, schwarzen Linien und Dornengeäst Figuren, manchmal nur Gesichter verkeilt. Meist sind die Körper aufgelöst und diffundieren im Bildhintergrund. Wie in einem Traum scheinen sich die Figuren zu verdichten und wieder aufzulösen. Wird die Träumende von Erinnerungen heimgesucht und/oder ist sie in gefühlsgeladenen Situationen gefangen? Das Blatt liesse sich auch als Diagramm von inneren Zuständen deuten, die nur bedingt mit der Aussenwelt zu tun haben.
Die drei Positionen führen vor Augen, wie unterschiedlich die Werke der fünfzehn Künstler sind, die für die Collection Cahiers d'Artistes 2006/2007 ausgewählt wurden. Die einzelnen Hefte werden zusammen mit dem Verlag Edizioni Periferia (Luzern) herausgegeben und wollen als monografische Erstpublikationen zu einzelnen Künstlern neue Tendenzen im Schweizer Kunstschaffen dokumentieren. Doch wie neu sind diese Tendenzen? Zu den zweifellos spannenden Entdeckungen gehören Franziska Koch, Joëlle Flumet oder Marco Zürcher & Matteo Terzaghi während Collectif_Fact, Mai-Thu Perret, Tom Huber, Elodie Pong doch schon recht bekannt sind.

Until 
24.11.2007

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