Jan Timme in der Galerie Durstewitz Sapre

Jan Timme · Hello There, 2007, Galerie Durstewitz Sapre, Hamburg, Foto: Fred Dott

Jan Timme · Hello There, 2007, Galerie Durstewitz Sapre, Hamburg, Foto: Fred Dott

Besprechung

Formal knüpft Jan Timme an Bildsprachen der Konzeptkunst an - und er transformiert sie auch. Seine Installationen, Fotos, Objekte und Readymades sind oft eng auf den gegebenen Raum bezogen, man wird über die Verschränkungen von Blick, Bewegung, Kontextwissen ins semantische Netz der Werke involviert. Sie werden zu Protagonisten wie auch Produzenten ästhetischer Erfahrung.

Jan Timme in der Galerie Durstewitz Sapre

Das gilt exemplarisch für «Hello There», 2007. Die Installation mit dem lakonisch appellativen Titel begegnet zunächst mit einem Déjà-vu. Verzögert stellt man fest, dass das zentrale Motiv des Werks einen kaum wahrgenommenen Moment der eigenen Naherfahrung spiegelt. Die Galerieräume liegen im ersten Stock. In der Schau trifft man nun auf einen geloopten Filmausschnitt, der ein Treppenhaus zeigt, ähnlich dem, das man gerade selbst durchschritten hat. Ähnlich, keineswegs identisch: Die Szene ist ein Fundstück aus G.W. Pabsts «Büchse der Pandora», 1929, und funktioniert an dieser Stelle wie das verschobene Nachbild eigener Raumerinnerung. Der Kamerastandpunkt fixiert mittig beide Treppenteile sowie den Hauseingang. Das symmetrische Szenario wird von zwei Männern bespielt; einer, durch die Haustür kommend, geht hinauf, der andere, knapp verzögert von oben ins Bild tretend, hinab. Man kreuzt einander auf Kamerahöhe, Vorder- und Rückansicht der Protagonisten wechseln synchron und für beide folgt der Abgang dort, wo eben noch der andere ins Bild gekommen ist. Den Ablauf verlinkt Timme zum Zirkel, einem Bild unendlich gegenläufiger Bewegung. Er schaltet die Sequenz doppelt hintereinander, und zwar seitenverkehrt, so dass ein filmisches Möbiusband entsteht. Die kurzgeschlossene Zelluloidbahn hängt locker elliptisch von der Decke herab und durchläuft einen 35-mm-Kinoprojektor. Die Installation, die sich über drei Räume und einen Balkon erstreckt, funktioniert insgesamt als konzeptuelle Dramaturgie, die Bewegung und Blick der Betrachter lenkt und in Motivverschiebungen bündelt. Timme setzt das architekturbezogen um: Der Flur der Galerie geht direkt in zwei Räume ab, die ihrerseits einen dritten einschliessen. Die Durchgänge hat Timme mit Glasscheiben unpassierbar gemacht, so kann man den Projektionsraum nur von aussen, über den Balkon betreten. Durchs trennende Glas schafft Timme eine Situation, in der man andere betrachtet und sich auch selbst betrachtet weiss. Eine der Scheiben ist zugleich Projektionsfläche des Films: Von beiden Seiten aus zu sehen, transformiert er die Doppelstruktur des filmischen Möbiusbands ein weiteres Mal. Timme legt einen subtilen Parcours von Spiegelungen an, der den Blick aufnimmt und in Bewegungen des Wendens und Entwendens, des Drehens und Verdrehens lenkt, um in geradezu manieristischer Weise Ordnungen des Sichtbaren zu setzen und auch zu unterlaufen.

Until 
08.12.2007

Timme stellt ab 14.12. auch in der Nürnberger Albrecht-Dürer-Gesellschaft aus. Er zeigt dort eine Gemeinschaftsarbeit mit Nairy Baghrami sowie Einzelarbeiten. Bis 24.02.2008

Author(s)
Jens Asthoff
Artist(s)
Jan Timme

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